Einführung und Leben
Im Jahre 1905 erschien Einsteins Arbeit Zur Elektrodynamik bewegter Körper.
Wenngleich die formalen Ergebnisse der speziellen Relativitätstheorie
bereits durch Hendrik Antoon Lorentz und Henri Poincaré gefunden worden
waren, lieferte Einstein zum ersten Mal eine einheitlich
relativistische Interpretation.
Seine theoretische Arbeit war auch Grundlage für die Nutzung der Atomenergie
und für den Bau der Atombombe.
Einstein machte sich jedoch nicht nur als Physiker, sondern
auch durch seinen Einsatz für Verständigung und Frieden einen Namen -
er verstand sich selbst als Pazifist. Sein Name gilt heute vielen als
Inbegriff eines Forschers und Genies.
Leben
Albert, Sohn von Herman Einstein und Pauline Einstein, wurde in Ulm geboren.
Einstein sagte später: "Die Stadt der Geburt hängt dem Leben
als etwas ebenso Einzigartiges an wie die Herkunft von der leiblichen
Mutter. Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens.
So gedenke ich Ulm in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition
mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet."
Die Familie zog bereits 1880 nach München, wo sein Vater und
sein Onkel eine eigene Fabrik eröffneten. Hier kam auch Einsteins
Schwester Maria 1881 zur Welt.
Sein geniales Denkvermögen blieb zunächst verborgen. So begann
Albert erst mit 3 Jahren zu sprechen und tat sich in der Schule und
später auch im Studium schwer. 1884 begann er mit dem Violinespiel und
erhielt Privatunterricht, bevor er im Jahr darauf in die Volksschule
kam. 1888 besuchte er das Luitpold-Gymnasium, brach den
Unterricht aber kurz vor dem Abitur 1894 ab und folgte der Familie, die
inzwischen in Mailand lebte. Dort traf er einen gewissen Pietro
Saponaro. Sie wurden gute und intime Freunde. Albert wurde von ihm oft
inspiriert.
Um studieren zu können, besuchte er 1895/96 die Kantonsschule in Aarau
und holte dort das Abitur nach. Während dieser Zeit lebte er bei der
Familie Winteler, deren Sohn Paul 1910, nach dessen Heirat mit
Einsteins Schwester Maria, sein Schwager werden sollte.
Es lag ihm nicht, nur formales Wissen zu lernen, viel mehr
regten ihn theoretisch-physikalische Denkprojekte an. 1896 bis 1900
studierte er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich unter
anderen mit Marcel Grossmann und Mileva Maric. Er verließ die
Hochschule mit einem Diplom als Fachlehrer für Mathematik und Physik.
Bereits 1896 hatte er die Staatsbürgerschaft des Deutschen Reiches
aufgegeben und war danach zunächst staatenlos. 1901 wurde seinem Antrag
stattgegeben und er erhielt die Schweizer Staatsangehörigkeit. Von 1902
bis 1909 war er im Schweizer Patentamt in Bern als Vorprüfer tätig.
1903 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin, die serbische
Mathematikerin Mileva Maric. Mit ihr hatte er eine uneheliche Tochter, Lieserl Einstein-Maric (* 1902), und zwei Söhne, Hans Albert (* 1904) und Eduard (* 1910).
Seine Dissertation mit dem Titel Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen
(Buchdruckerei K.J. Wyss, Bern, 1905, Umfang 21 Seiten, 23 cm) reichte
er 1905 an der Universität Zürich ein und erhielt daraufhin seinen
Doktor der Physik. Im gleichen Jahr bereits veröffentlichte er einige
seiner wichtigsten Werke, darunter Arbeiten zum photoelektrischen
Effekt, zur speziellen Relativitätstheorie, die Arbeit mit der wohl
berühmtesten Formel der Welt, E = mc², und zur Brownschen Molekularbewegung.
Das Jahr 1905 war also für Albert Einstein ein äußerst fruchtbares Jahr. (Carl Friedrich von Weizsäcker schrieb darüber: 1905
eine Explosion von Genie. Vier Publikationen über verschiedene Themen,
deren jede, wie man heute sagt, nobelpreiswürdig ist: die spezielle
Relativitätstheorie, die Lichtquantenhypothese, die Bestätigung des
molekularen Aufbaus der Materie durch die "Brownsche Bewegung", die
quantentheoretische Erklärung der spezifischen Wärme fester Körper.)
Nachdem seine Habilitation an der Berner Universität 1907
zunächst abgelehnt wurde, erhielt er diese im Jahr darauf. 1909 folgte
die erste außerordentliche Professur für theoretische Physik an der
Universität Zürich. 1911 wurde er zum Ordinarius an der
deutschsprachigen Prager Universität berufen. Doch schon 1912 kehrte er
nach Zürich zurück, wo er nunmehr an der Eidgenössischen Technischen
Hochschule forschte und lehrte.
Anfang 1914 gelang es Max Planck, ihn nach Berlin an die
Preußische Akademie der Wissenschaften zu holen, wo er Direktor des
Kaiser-Wilhelm-Instituts wurde (die Vorgängereinrichtung der
Max-Planck-Institute). Nachdem seine Familie anfänglich dabei war, zog
Ehefrau Mileva mit den beiden Kindern bald wieder nach Zürich zurück.
Mit der Zeit entfremdeten sich Albert und Mileva. Zwischen 1917 und
1920 pflegte seine Cousine Elsa Löwenthal den oft erkrankten
Einstein und es entwickelte sich eine tiefere Beziehung, so dass
Einstein sich Anfang 1919 von Mileva scheiden ließ, um kurze Zeit
darauf Elsa zu heiraten. Diese brachte zwei Töchter in die Ehe mit.
Während dieser Zeit kam es auch zur Begegnung mit Max
Wertheimer, dem Begründer der Gestalttheorie, was zu einem fruchtbaren
Austausch zwischen den beiden Wissenschaftlern bis zum Tode Wertheimers
führte (so verfasste Albert Einstein auch eine Einleitung zu Max
Wertheimers Aufsätzen über Wahrheit, Freiheit, Demokratie und Ethik).
Zunehmend begann er, sich auch zu politischen Fragen zu äußern.
Einsteins aus der Allgemeinen Relativitätstheorie folgenden
Vorhersagen der Lichtablenkung im Schwerefeld der Sonne wurden 1919
während einer Sonnenfinsternis durch Beobachtungen bestätigt, was ihn
zu einer weltweiten Berühmtheit machte (Royal Academy: "Dieses Resultat ist eine der größten Errungenschaften des menschlichen Denkens").
1921 wurde Albert Einstein mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet
(das Preisgeld ließ er seiner geschiedenen Frau und seinen Söhnen
zukommen).
Fortan war Einstein oft auf Reisen und hielt Vorlesungen auf
der ganzen Welt. Zahlreiche Ehrendoktorwürden wurden ihm zuteil
(darunter von der Universität in Princeton, wo er später lehren
sollte). 1932 ging er erneut auf eine Reise in die USA, kehrte aber,
als Adolf Hitler an die Macht kam, nicht mehr zurück. Einstein, der
Jude war, siedelte 1933 ganz in die Vereinigten Staaten über und ließ
sich in Princeton, New Jersey, nieder. Er brach sämtliche Kontakte nach
Deutschland ab und sollte sein Heimatland nie wieder betreten.
1936 starb seine Frau Elsa. 1939 kam seine Schwester Maria
(ihr Mann Paul hatte keine Einreisegenehmigung erhalten) zu ihm und
wohnte bis zu ihrem Tod (1951) bei ihrem Bruder. 1940 erhielt Einstein
zusätzlich die amerikanische Staatsbürgerschaft. Kurz vor Beginn des
Zweiten Weltkriegs hatte Einstein den Präsidenten Franklin D. Roosevelt
in einem Brief vor der Möglichkeit einer 'Bombe neuen Typs', von der
der Verdacht bestand, daß Deutschland sie entwickle oder besäße,
gewarnt und eine verstärkte US-amerikanische Forschung auf diesem
Gebiet angeregt (woraufhin die Entwicklung der Atombombe, allerdings
ohne Einsteins Mitwirkung, begann). Nach dem Krieg setzte er sich dann
allerdings für internationale Rüstungskontrolle ein.
Die letzten eineinhalb Jahre seines Lebens verbrachte Einstein
mit der Bibliothekarin Johanna Fantova, deren Tagebuch, das im Jahre
2004 entdeckt wurde, Aufschluss über Einsteins letzte Jahre gab. Er
verglich sich demnach "mit einem alten Auto, das voller mechanischer
Probleme ist". 1955 starb Einstein 76-jährig in Princeton.
Werke und Erfindungen
In einem Buch von 1916 veröffentlichte Einstein die allgemeine
Relativitätstheorie. Diese sowie Einsteins Arbeiten von 1905 gehören zu
den Grundpfeilern der modernen Physik. 2004 werden einige Aussagen zur
Relativitätstheorie durch die Gravity Probe-Mission überprüft.
Der Verleihung des Nobelpreises ging eine Kontroverse voraus:
Die Nobelpreiskommission wollte Einstein den Preis nicht für seine
spezielle oder allgemeine Relativitätstheorie verleihen, weil die
"vor-einsteinschen" Relativisten Lorentz und Poincaré bereits vorher
die von Einstein hergeleiteten Formeln aufgrund der Invarianz der
maxwellschen Gleichungen in bewegten Inertialsystemen aufstellen
konnten. Die "vor-einsteinschen" Relativisten konnten sich jedoch noch
nicht von dem newtonschen Zeitbegriff freimachen, sondern betrachteten
die Zeit in bewegten Systemen als eine Art "lokale Ortszeit", d. h., in
bewegten Systemen geht die Uhr "falsch" gegenüber der absoluten
newtonschen Zeit. Einstein war radikaler und postulierte, in bewegten
Systemen sei die dort gemessene Zeit die "wahre" Zeit und nicht eine
von der absoluten Zeit abweichende "Lokalzeit". Deshalb erhielt
Einstein als Verlegenheitslösung den Nobelpreis für seine Verdienste
zur Deutung des photoelektrischen Effekts.
Bemerkenswert ist Einsteins Verhältnis zu einem weiteren
Pfeiler der modernen Physik, der Quantenphysik, einerseits, weil
einiges von seiner Arbeit die Grundlage der Quantenphysik bildete,
besonders seine Erklärung des photoelektrischen Effekts, andererseits,
weil er später viele Ideen und Deutungen der Quantenmechanik ablehnte,
was ihn, erstmals im Streit mit Max Born, zu der berühmt gewordenen
Aussage veranlasste, dass der Alte (bzw. Gott) nicht würfle.
Einstein glaubte, dass die zufälligen Elemente der
Quantentheorie sich später als nicht wirklich zufällig beweisen lassen
würden. Er stützte seine Überlegungen mit verschiedenen
Gedankenexperimenten, unter anderem mit dem vieldiskutierten
Einstein-Podolsky-Rosen-Experiment.
Wie die Dinge jetzt liegen, sprechen die tatsächlichen Belege
gegen Einsteins Standpunkt. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang
die weiterführende Forschung von Werner Heisenberg und Fritjof Capra.
In seinen späten Jahren beschäftigte sich Einstein mit der Frage nach
einer einheitlichen Feldtheorie aller Naturkräfte auf Grundlage seiner
Allgemeinen Relativitätstheorie. Dieses Bemühen fand z. B. in der
Theorie von Burkhard Heim eine Fortsetzung.
Nicht zuletzt über seinen Freund Moritz Schlick schlug die Relativitätstheorie auch früh Wellen in der Philosophie.
Engagement
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges löste eine intensive Beschäftigung mit politischen Problemen aus. Einstein trat dem Bund Neues Vaterland bei (der späteren Deutschen Liga für Menschenrechte)
und unterstützte deren Forderungen nach einem baldigen, gerechten
Frieden ohne Gebietsforderungen und der Schaffung einer internationalen
Organisation, die künftige Kriege verhindern sollte.
1918 gehörte Einstein zu den Gründern der linksliberalen
Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Von 1922 an war er Mitglied der
'Kommission für geistige Zusammenarbeit' beim damaligen Völkerbund, auf
deren Anregung hin er später über die Frage Warum Krieg? mit
Sigmund Freud in einen Briefwechsel trat, der 1933 veröffentlicht
wurde. Wie er überhaupt immer wieder zum Mittel des Briefeschreibens
griff, um Wirkung zu erzielen:
1931 beispielsweise, machte er und Heinrich Mann in einem
offenen Brief an die New York Times auf die Ermordung des kroatischen
Intelektuellen Dr. Milan Šufflay aufmerksam. Genauso auch 1935 im
Rahmen der (erfolgreichen) internationalen Kampagne für die Verleihung
des Friedensnobelpreises an den im KZ einsitzenden Carl von Ossietzky
oder 1953, als er in einem öffentlichen Brief die Verteidigung der
Bürgerrechte gegenüber dem McCarthy-Ausschuss einforderte.
Auf Hitlers Machtergreifung 1933 reagierte Einstein mit dem Bekenntnis:
»Solange mir eine Möglichkeit offensteht, werde ich mich nur in
einem Lande aufhalten, in dem politische Freiheit, Toleranz und
Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz herrschen. Zur politischen
Freiheit gehört die Freiheit der mündlichen und schriftlichen Äußerung
politischer Überzeugung, zur Toleranz die Achtung vor jeglicher
Überzeugung eines Individuums. Diese Bedingungen sind gegenwärtig in
Deutschland nicht erfüllt.«
Gleichzeitig modifizierte er seine pazifistische Haltung:
»Bis 1933 habe ich mich für die Verweigerung des Militärdienstes
eingesetzt. Als aber der Faschismus aufkam, erkannte ich, dass dieser
Standpunkt nicht aufrechtzuerhalten war, wenn nicht die Macht der Welt
in die Hände der schlimmsten Feinde der Menschheit geraten soll. Gegen
organisierte Macht gibt es nur organisierte Macht; ich sehe kein
anderes Mittel, so ich es auch bedaure.«
Auch der Brief an Präsident Franklin D. Roosevelt, der der Entwicklung der Atombombe vorausging, entsprang dieser Haltung:
»Ich glaubte, wir müßten die Möglichkeit Deutschlands vermeiden,
unter Hitler im alleinigen Besitz dieser Waffe zu sein. Das war die
wirkliche Gefahr dieser Zeit.« Entsprechend engagierte er sich nach
der Niederlage Nazi-Deutschlands vielfältig für internationale
Rüstungskontrolle und Zusammenarbeit im Sinne des Titels einer Rede,
die er 1945 bei einem Nobel-Gedenkdinner in New York hielt: The war is won, but peace is not. So rief er ein Emergency Committee of Atomic Scientists ins Leben und schlug die Bildung einer Weltregierung vor.
Auch als Jude zeigte Einstein großes Engagement. Er
unterstützte weitgehend die zionistischen Ideale, ohne jedoch jemals
einer zionistischen Organisation beizutreten. So ist sein Name stark
mit der Hebräischen Universität in Jerusalem verbunden. Seine erste
USA-Reise diente u. a. dem Zweck, Spenden für eine solche Universität
zu sammeln. 1923 reiste er zur Grundsteinlegung in das damalige
Palästina. (Während dieser Reise wurde ihm auch die erste
Ehrenbürgerschaft der Stadt Tel Aviv verliehen.) 1925 wurde er zum
Mitglied des Verwaltungsrats der Universität berufen. Schließlich
verfügte Einstein in seinem Testament die Übereignung seines
schriftlichen Nachlasses an die Hebräische Universität.
Nach dem Tod von Chaim Weizmann erhielt Einstein 1952 das
Angebot, der zweite Staatspräsident des neugegründeten Staates Israel
zu werden, was er aber ablehnte.
Einstein engagierte sich auch für eine vegetarische Lebensweise:
»Rein durch ihre physische Wirkung auf das menschliche Temperament
würde die vegetarische Lebensweise das Schicksal der Menschheit äußerst
positiv beeinflussen können.«