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Falschgeld
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Von Reicher Gerhard
Veröffentlicht am 10.12.08
 
Falschgeld wird gefälschtes bzw. nachgemachtes Geld genannt, das nicht den Geldwert besitzt, den es vorgibt.

Geschichte der Geldfälschung
Seit der ersten Einführung von Geld wird von mehr oder weniger geschickten Betrügern versucht, dieses nachzuahmen und in Umlauf zu bringen.

Der Biss in einen Goldtaler wurde beispielsweise genutzt, um unechte Münzen (meist aus weicherem Material) von echten zu unterscheiden.

Die Herstellung und Verbreitung von Falschgeld wurde zu jeder Zeit hart bestraft. Auf den Reichsbanknoten wurde im Kleingedruckten mit Zuchthausstrafen gedroht: Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft.

Auf den DM-Scheinen von 1963 wurde dann "Zuchthaus" durch "Freiheitsstrafe" ersetzt.

Heute werden moderne Münzen und Banknoten mit speziellen Sicherheitsmerkmalen versehen, um das Erstellen von Falschgeld so schwer wie möglich zu machen.

Sicherheitsmerkmale

Details finden sich im Artikel Sicherheitsmerkmale von Banknoten

  • Stichtiefdruck
  • Silberfaden
  • Wasserzeichen
  • Hologramm
  • Farbwechsel beim Kippen
  • ...
  • M-Feature - ist nur der Europäischen Zentralbank bekannt und ist immer noch sicheres Mittel, Fälschungen von richtigen Geldscheinen zu unterscheiden. Jede Banknote erreicht im Mittel etwa alle drei Monate eine Zentralbankfiliale und wird darauf überprüft.

Fälschungstypen
Fälschungen (im Fachausdruck Falsifikate) werden im allgemeinen bei den Filialen der Deutschen Bundesbank erkannt (das sind die früheren Landeszentralbanken) und an die Falschgeldstelle der Deutschen Bundesbank geschickt. Für die Erkennung von Fälschungen stehen der Bundesbank verschiedene Techniken zur Verfügung:

  • Bei Papiergeld gibt es Voll- und Halbautomaten und als seit kurzem auch die so genannte Multistückelungsmaschine BPS 1000. Die Erkennungssicherheit von Fälschungen liegt bei ca. 99,99 Prozent. Erkannt werden die Falsifikate durch spezielle Sensoren (Blackboxen).
  • Hartgeld wird durch vollautomatische Hartgeldbearbeitungsmaschinen (NGZ 6000) kontrolliert, welche im Gegensatz zu den Papiergeldbearbeitungsmaschinen Falschgeldstücke eine geringere Erkennungsrate von ca. 96 Prozent haben.
Fälschungen werden in Fälschungsklassen nach Qualität unterteilt.

Hartgeld Die häufigsten gefälschten Geldstücke sind 2- und 1-Euro-Münzen und 50-Euro-Cent-Münzen.

Das Falschgeldaufkommen bei 2-Euro-Münzen ist sehr hoch und von der Stückzahl her fast identisch mit den Papierfalsifikaten. Die Chance für einen Laien, eine falsche Münze zu erkennen, ist im Alltag fast ausgeschlossen. Nach Fachmeinungen werden diese Falsifikate den deutschen Markt in absehbarer Zeit überschwemmen.

  • Fälschungsidentifizierungsmerkmale für Hartgeld: Klang, Farbe, Rändelung, Gewicht, BMW-Effekt, Griffigkeit und Einzelheiten der Münzoberfläche
Banknoten Die häufigsten Fälschungen sind 50-, 20-, 100-, 10- und 200-Euro-Scheine.

Falsifikate dieser Stückelungen werden zum Teil so perfekt gefälscht, dass einige Fälschungen auch von geschultem Fachpersonal der Bundesbank als auch von Zählmaschinen, die über eine Falschgelderkennung verfügen, nicht erkannt werden können, was bei der Hartgeldbearbeitung anders ist.

Fälschungsidentifizierungsmerkmale: Kinegramm, Farbe, Wasserzeichen, Kippeffekt, Nadelstreifen und das Durchsichtregister.

5-Euro-Scheine sind noch am sichersten echte Scheine.

Geldbearbeitungsmaschinen

Die Geldbearbeitung gab es schon in der Reichsbank und wurde immer weiter im Qualitätsstandard verbessert. Wo früher Banknoten und Münzen auf so genannten Zählbrettern per Hand sondiert wurden stehen heute leistungsfähige Maschinen zur Verfügung:

Hartgeld Die vollautomatische Münzgeldbearbeitungsmaschine NGZ 6000 besteht aus verschiedenen Maschinenkomponenten (Percotronic, LCC20, Computer, Arbeitstisch, Toutchscreen) und kann Münzen der Stückelungen 2 Euro, 1 Euro und 50 sowie 20 Eurocent bearbeiten. Auch die gute alte DM stellt die NGZ 6000 nicht vor Probleme. Die NGZ kann auch Münzen der Stückelungen 5 DM, 2 DM, 1 DM sowie 50 Pfennige bearbeiten. Die Durchsatzrate hängt von der Stückelung und Qualität der Münzen ab.

Percotronic - Der Inhalt der geöffnete Beutel wird in die Percotronic geschüttet und auf einem Teller vereinzelt, jede Münze wird auf Magnetismus, Größe, Dicke und Verbiegungen überprüft. Die Vorkontrollierten Münzen werden in die so genannte LCC20 weitertransportiert und durch einen Teller wiederum vereinzelt. Eine Kamera photographiert jede einzelne Münze und vergleicht dieselbigen mit in einem Computer hinterlegtem Bild.

Münzsortiermaschinen

Zum Sortieren von Münzen setzt die Deutsche Bundesbank Maschinen der Firma Scancoin ein, welche Münzen entsprechend Ihrer Stärke, Magnetismus und ihres Durchmessers sortieren.

Banknoten Halbautomaten die Scheine automatisch aus kompletten Geldpäckchen vereinzeln, durch 8 Sensoren steuern und zu kompletten Päckchen wieder komplettieren. Defekte Scheine werden durch einen Shredder automatisch im Partikelschnitt vernichtet. Fertige Päckchen werden per hand bandrolliert und zu je 10 Stück als Geldpacket vakuum verschweißt. Ein Halbautomat ist ca. 5 x 1,5 x 1,5 Meter groß. Die Entwicklung dieser Maschinen begann ca. 1980 und kostete mehrere Millionen DM. Moderne Halbautomaten benötigen für 1 Päckchen ca. 20 Sekunden und kosten in der Anschaffung ca. 250.000 Euro. Produziert und entwickelt werden diese Maschinen in Zusammenarbeit mit G & D, AEG.

Vollautomaten sind vom Aufbau ähnlich, der Unterschied eines Vollautomaten besteht in der wesentlich höheren Durchsatzrate und der hiermit verbundenen Taktung. Zum Betreiben eines Vollautomaten werden in der Regel mindestens 3 Personen eingesetzt. Die Erkennungssicherheit von Falschnoten ist mit Halbautomaten identisch. Im Gegensatz zu Halbautomaten werden Scheine, welche nicht der Norm entsprechen nicht zu Päckchen zusammengefasst, die den Restebearbeiter zugeteilt werden, sondern auf speziellen Spulen mit den Streifbändern abgelegt. Die Erhaltungsqualität von maschinenbearbeiteten Noten ist nicht so gut wie von Handbearbeiteten. Vollautomaten sind ca. 5 x 2,5 x 1,7 Meter groß und sind wie Halbautomaten mit Shreddermodulen ausgerüstet.


Forschung
Es gibt auf der Seite der Forscher verschiedene Bemühungen, das Geld fälschungssicherer zu machen. Es könnten photochrome Farben (Ausgangsstoff: Eiweiss Bakeriorhodopsin) verwendet werden, die bei starker Belichtung ausbleichen, um die Fotokopiermöglichkeit zu unterbinden. Bei Eintreten normaler Beleuchtungsverhältnisse nimmt der Geldschein dann wieder den normalen Farbton an. Dieser Effekt ist nach heutigem Stand der Wissenschaft millionenfach wiederholbar und nimmt auch in einer Wäsche bei 60 °C keinen Schaden. Andere Verfahren sind die Kennzeichnung der Papierfaserausrichtung auf den Papier durch eine verschlüsselte und versteckte Nummer auf dem Schein oder eine Ausstattung des Scheins mit einem sandkorngroßen Mikrochip.

Bekämpfung von Falschgeld

Beim Auftauchen von Falschgeld wird dieses in Deutschland an die Bundesbank weitergeleitet (in anderen Ländern an die jeweils nationale Zentralbank). Eventuell wird die Fälschung auch an die EZB weitergegeben.

Für Europa hat die Europäische Zentralbank ein Counterfeit Analysis Center (CAC) errichtet. Über die dort geführte Datenbank Counterfeit Monitoring System (CMS) erhalten die Mitgliedsstaaten Informationen über gefälschtes Geld.

Neben der Europäischen Zentralbank befassen sich insbesondere auch Europol und Interpol mit Falschgeld.

Zahlen zum Falschgeldumlauf
2003 hat die Europäische Zentralbank Falschgeld im Wert von über 26 Millionen Euro sichergestellt, die Tendenz ist steigend.

2003/2004 wurden ca. 100 Fälle registriert, bei denen Kunden aus Geldausgabeautomaten Falschgeld erhielten - aus Kostengründen wurden die Automaten aus Beständen der Banken befüllt anstatt mit durch die Bundesbank geprüften Banknoten.

Blüten

Umgangssprachlich sind Blüten Falschgeld, nicht jedoch im polizeilichen Amtsdeutsch, wonach unter Blüten Spielgeld, z.B. für Monopoly, zu verstehen ist. In den "Richtlinien für den Nachrichtenaustausch bei Falschgelddelikten" des Hessischen Landeskriminalamtes von 1985 heißt es: "Blüten sind Abbildungen/Nachahmungen von Banknoten, die ein- oder zweiseitig bedruckt sind, oft abweichende Druckbilder aufweisen und nach dem Willen des Herstellers nicht als Zahlungsmittel verwendet werden sollen."