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Lotto
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Von Silke Blank
Veröffentlicht am 28.07.08
 
Lotto oder Lotterie ist ein Glücksspiel, bei dem der Spieler gegen einen finanziellen Einsatz auf das Ziehen vorher getippter Zahlen aus einem begrenzten Zahlenpool setzt.

Einführung
Lotto oder Lotterie (französisch lot "Anteil, Los"; italienisch "Glücksspiel, Losspiel") ist ein Glücksspiel, bei dem der Spieler gegen einen finanziellen Einsatz auf das Ziehen vorher getippter Zahlen aus einem begrenzten Zahlenpool setzt.

Unterschieden wird dabei zwischen zwei Konzepten. Beim Zahlenlotto wählt der Spieler eine begrenzte Anzahl Zahlen aus einer endlichen Zahlenreihe. Das bekannteste Beispiel in Deutschland ist dafür das Spiel "6 aus 49". Hierfür werden sechs Zahlen aus einer von eins bis neunundvierzig bestehenden Zahlenreihe auf einem Tippschein angekreuzt. Bei der späteren Ziehung werden die Gewinnzahlen ermittelt und entsprechend der Quote Geldpreise ausbezahlt.

Die zweite Variante ist die Klassenlotterie. Durch den Kauf eines Loses mit aufgedruckter mehrstelliger Gewinnzahl erhält der Spieler seine Teilnahmeberechtigung an der Wette. Die unterschiedlichen Gewinnklassen legen die Höhe der Auszahlung im vorherein fest.

Die zwei Spielsysteme kommen in der Praxis fast nie in reiner Form vor, sondern auf Grund einer zu steigernden Attraktivität vermischt und abgewandelt. So gibt es bei "6 aus 49" auch unterschiedliche Gewinnklassen, abgestuft nach Anzahl der richtig getippten Zahlen. Das "Spiel 77", eine Klassenlotterie, kennt dagegen auch unterschiedliche Quoten in den Gewinnklassen je nach Anzahl der Teilnehmer.

Geschichte des Lottos
Lotto erfanden die Genuesen im 15. Jh, um jährlich ihre Ratsmitglieder neu zu bestimmen. Sie schrieben neunzig Namen auf Zettel und zogen verdeckt fünf aus diesen neunzig. Aus der Bestimmung des neuen Stadtrates entwickelte sich ein reger Wettbetrieb, aus dem sich später das Lotto entwickelte, in dem die Namen durch Zahlen ersetzt wurden, das erste "5 aus 90". Als erster der dieses Zahlenlotto privat als reines Glückspiel anbot ist der Genuese Benedetto Gentile überliefert. Schon damals fanden sich viele begeisterte Lottospieler und sorgten für hohe Umsätze. Da dieses einfache Geschäftsprinzip große Gewinne für den Veranstalter einbrachte, ging das Recht Lotterien zu veranstalten auf die jeweiligen Herrscher oder Regierungen über. An den Königs- und Fürstenhöfen war es eine schöne Einnahmequelle. Auch heute noch ist diese Regelung weltweit üblich. An private Betreiber werden höchstens Konzessionen für Lotterien vergeben. Oft wurde das Lotto wie auch andere Glücksspiele als moralisch verwerflich bezeichnet und verboten.

In Deutschland ist die staatliche Lotterie "6 aus 49" durch seine öffentliche Auslosung im Fernsehen sehr beliebt.
Nach dem zweiten Weltkrieg führte Westberlin am 11. Januar 1953 das Lotto mit der Spielformel "5 aus 90" wieder ein. Später gründeten am 30. Juni 1955 die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen das Lottounternehmen Deutscher Lottoblock. Die erste gemeinsame Ziehung von Lottozahlen erfolgte öffentlich am 9. Oktober 1955 im Hamburger Hotel "Mau" mit "6 aus 49". Zwei Waisenmädchen zogen abwechselnd die sechs Zahlen in der Reihenfolge 13-41-3-23-12-16. Eine Zusatzzahl verlieh erst am 17. Juni 1956 dem Spiel zusätzliche Attraktivität. Damit sich durch das Nichtbesetzen der höchsten Gewinnklasse öfter ein gut gefüllter Jackpot ergibt, konnten sich die Lottospieler am 7. Dezember 1991 über die Superzahl freuen. Diese Zahl ist die letzte der Losnummer vom Tippschein. Auch die Klassenlotterien "Spiel 77" und "Super 6" mit ihren garantierten Gewinnen können durch die Losnummer mitgespielt werden.

Landesspezifische Zahlenlotterien

Es existieren länderspezifisch verschiedene Systeme:

Österreich 6 aus 45
Niederlande 6 aus 45
Deutschland 6 aus 49
Schweiz 6 aus 45
Italien 6 aus 90

6 aus 49 in Deutschland
In Deutschland wird jeden Mittwoch und Samstag (oder je nach Bundesland auch Sonnabend) gezogen. Man kann auch noch zusätzlich das Spiel Super 6 und Spiel 77 machen. Zu den 6 Zahlen werden zudem noch eine Zusatzzahl und eine Superzahl gezogen.

Von den Spieleinsätzen werden 50% als Gewinne wieder ausgeschüttet (Totalisatorprinzip). Die prozentuale Verteilung erfolgt je nach Gewinnklasse unterschiedlich. Innerhalb der einzelnen Gewinnklassen erfolgt die Verteilung der Gewinnsumme gleichmäßig auf die Anzahl der Gewinne. Die Gewinnquoten sind somit für alle Spielteilnehmerinnen und Spielteilnehmer in Deutschland gleich.

Die Gebühren zählen übrigens nicht zu den Spieleinsätzen. Und die anderen 50% der Spieleinsätze werden u.a. in Form von Lotteriesteuer oder Zweckerträgen für Gesundheit, Kultur, Naturschutz, Sport und Wohlfahrt abgegeben.

Es gibt folgende Gewinnklassen:

Gewinnklasse Erforderlich Verteilung der Gewinnsumme
Klasse 1 6 richtige + Superzahl 10%
Klasse 2 6 richtige 8%
Klasse 3 5 richtige + Zusatzzahl 5%
Klasse 4 5 richtige 13%
Klasse 5 4 richtige + Zusatzzahl 2%
Klasse 6 4 richtige 10%
Klasse 7 3 richtige + Zusatzzahl 8%
Klasse 8 3 richtige 44%
Zudem ist ein Jackpot möglich. Dieser kann grundsätzlich in jeder der 8 Gewinnklassen entstehen, wenn kein Gewinn ermittelt wurde. Die Gewinnsumme wird dann der gleichen Gewinnklasse bei der nächsten Ziehung hinzugefügt.

Dazu sind einige Besonderheiten zu berücksichtigen. Übersteigt ein Einzelgewinn in einer niedrigeren Gewinnklasse den einer höheren Gewinnklasse, so werden die Gewinnsummen zusammengelegt und die Gewinne gleichmäßig auf die beiden Gewinnklassen verteilt.

Wird insbesondere in der Gewinnklasse 2 kein Gewinn ermittelt, jedoch in der Gewinnklasse 1 mindestens ein Gewinne, so wird die Summe aus der Gewinnklasse 2 der Gewinnklasse 1 zugeschlagen.

Wird auch nach 14 aufeinanderfolgenden Ziehungen in einer Gewinnklasse kein Gewinn ermittelt, so wird die Gewinnsumme auf die nächstniedrigere Gewinnklasse übertragen.

Festgelegt sind diese Regelungen übrigens in jedem Bundesland in den Teilnahmebedingungen für Lotto.

(Lotto ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Gewerbliche Anbieter spielen oft im Sinne der Tippgemeinschaften bei den Lottogesellschaften, nehmen dafür jedoch zusätzliche Gebühren.)

6 aus 45 in Österreich
In Österreich wird jeden Mittwoch und Sonntag gezogen.

(Zudem gibt es in Österreich ein Zahlenlotto 1-90, welches am Dienstag, Donnerstag und Samstag gezogen wird.)

Beim Lotto in Österreich werden auch 50% der eingezahlten Summe wieder ausgeschüttet. Diese verteilen sich wie folgt:

Es gibt folgende Gewinnränge:

Gewinnrang Erforderlich Verteilung der Gewinnsumme
Rang 1 6 richtige 42%
Rang 2 5 richtige + Zusatzzahl 8%
Rang 3 5 richtige 9%
Rang 4 4 richtige 16%
Rang 5 3 richtige 25%
Wird in einem Rang kein Gewinn ermittelt, so wird die Gewinnsumme dem gleichen Rang in der nächsten Runde zugeschlagen (Jackpot).

Geregelt ist dies in den Lotto-Spielbedingungen.

Wahrscheinlichkeit des Tipperfolges
Die Treffer-Wahrscheinlichkeit beim Lotto lässt sich über die Hypergeometrische Verteilung ermitteln:

H 49,6,6

H 45,6,6

n Anzahl (n) Wahrscheinlichkeit (n) in % n Anzahl (n) Wahrscheinlichkeit (n) in %
0 6.096.454  43,59649755116915 0 3.262.623  40,056463672459134739
1 5.775.588  41,30194504847604 1 3.454.542  42,412726241427319136
2 1.851.150  13,237802900152576 2 1.233.765  15,147402229081185406
3 246.820   1,7650403866870101 3 182.780   2,2440595894935089490
4 13.545   0,0968619724401408 4 11.115   0,13646308314487554419
5 258   0,0018449899512407771 5 234   0,0028729070135763272462
6 1   0,000007151123842018516 6 1   0,000012277380399898834386
13.983.816 100 8.145.060 100
Erw. Wert 0,7346938775510204 Erw. Wert 0,8000000000000000000
Streuung 0,5775718450645565 Streuung 0,6145454545454545455
Wer die Zahlen aufsummiert ersieht aus der Tabelle, dass die Chance für eine "Niete" (0, 1 oder 2 Richtige von 6 Zahlen) beim österreichischen Lotto bei 97,6 % liegt, beim deutschen Lotto bei 98,1 %.

Der "Erw. Wert" ("Erwartungswert") gibt übrigens die durchschnittliche Anzahl von richtig geratenen Zahlen bei einem 6-er Tipp an.

Wer z. B. bei 6 aus 49 denselben Tipp hundertmal mitspielt, kann mit etwa 73 richtig geratenen Zahlen insgesamt rechnen. (600 wären maximal möglich, bei hundertmal 6 richtigen.)

Anzahl der Tipp-Kombinationen
Mit Hilfe der Kombinatorik lässt sich die Anzahl der möglichen Zahlenkombinationen beim Lotto errechnen. Bei dem Spiel 6 aus 49 (Kombination ohne Zurücklegen) kann man aus 49 Objekten 6 ohne Zurücklegen und ohne Beachtung der Reihenfolge auswählen. Dabei gibt es in der Summe genau 13.983.816 Möglichkeiten. Im neuen System mit "Superzahl" wächst diese Zahl noch einmal auf das zehnfache, also 139.838.160.
Für 6 aus 45 gibt es 8.145.060 Möglichkeiten.

Lottosysteme
Bei einem Lottosystem werden mehr als die üblichen 6 Zahlen angekreuzt. Damit ist die Chance auf einen Gewinn dementsprechend höher. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Lottosystemen: Voll-Systeme und Teil-Systeme (vormals VEW-Systeme). Systeme lassen sich auch in Form von Anteilen (aus einem Voll-System) spielen. Die erhöhte Gewinnchance bezahlt man allerdings mit erhöhtem Einsatz und damit der verkleinerten Vervielfachungsmöglichkeit des Einsatzes.

Gewinne
Den mit 20.233.178,20 Euro bisher größte Einzelgewinn in der deutschen Lotterie 6 aus 49 gewann am 24. Januar 2004 eine Frau aus Baden-Württemberg.

Zitat
Bei dem Gedanken an den gewaltigen Weg, den die Evolution ... zurückgelegt hat, an die ungeheure Vielfalt der Strukturen, die durch sie geschaffen wurden und an die wunderbare Leistungsfähigkeit von Lebewesen - angefangen vom Bakterium bis zum Menschen - können einem leicht Zweifel aufkommen, ob das alles Ergebnis einer riesigen Lotterie sein kann, bei der eine blinde Selektion nur wenige Gewinner ausersehen hat. - Jacques Monod (Zufall und Notwendigkeit)