Wieweit die "geheimen Lehren" der Hinduschriften, die Upanischaden, die westliche Philosophie beeinflussten, kann heute nur erahnt werden. Sicher ist, dass Arthur Schopenhauer sich immer darauf bezogen hat. Der Solipsismus von Johann Gottlieb Fichte ist auch ein Ausdruck davon und viele Hegelsche Ansätze.
Im Gegensatz zu den anderen großen Religionen, bei denen ein Mittler zwischen Gläubigen und göttlicher Kraft fungiert, wie zum Beispiel der Rabbi im Judentum oder der Priester im Christentum, ist dieses Konzept im Hinduismus nicht vorgesehen. Jedem Hindu ist im Rahmen komplexer Verhaltenskodizes und gesellschaftlicher Differenzierungen (Kaste) der direkte Umgang mit seinem Gott möglich.
Gleichwohl ist das Konzept des Guru weit verbreitet. Jeder Guru bringt seine Realisation ein und hat Schüler, die ihm folgen. So haben viele spirituelle Lehrer (Gurus) in ihren Schriften ihre persönliche Lehre hinterlassen. Das führte bei vielen Menschen im Westen zu einer Missinterpretation der hinduistischen Religion.
Den weitreichenden Ansatz des Hinduismus kann man ebenfalls gut kennenlernen, wenn man das Leben ihrer Heiligen (Erleuchteten) studiert.
Ein Beispiel dafür ist Ramakrishna, ein großer Heiliger im 19. Jahrhundert. Sein Meisterschüler Swami Vivekananda brachte die Yogalehre des Vedanta und seine Auslegung dieser Schriften Ende des 19. Jahrhundert nach Europa und Amerika.
Seine Schriften für den Westen waren insbesondere:
- Raja Yoga, hierin enthalten ist besonders der Text von Patanjali zu erwähnen (200 nach Christus). Dieser Text: "Die Yogasutras des Patanjali" wurde ganz in "Raja Yoga" aufgenommen und von Vivekananda interpretiert. Er ist der Basistext seiner Yoga (Methode).
- Karma Yoga: Dies ist die Art des Yoga die sich auf das Handeln bezieht. Es gibt einen Gottesdienst und einige Parallelen zum Christentum. Zudem bestehen Hygieneregeln und andere Pflichten. Karma Yoga gilt als die leichteste Übung, denn sie ist verträglich mit dem normalen Leben und man muss nur einige Riten achten. Der Yoga, durch gute Taten ein gutes Karma (Schicksal) zu verdienen und so der Erleuchtung näher zu kommen.
- Jnana Yoga, der Yoga der Weisheit, der Weg der Philosophen. Diese Variante erfolgt unter Anleitung eines Gurus. Es werden heilige Schriften gelesen und man muss Eins werden mit "dem Göttlichen", dem Brahman.
- Bhakti Yoga, der Yoga der göttlichen Liebe und Hingabe. Ein Hindu dieses Glaubens denkt monotheistisch; sein Gott erscheint ihm in einer bestimmten Form, z. B. Krishna. Man sollte bei dieser Art des Yoga den Weg des Wissens gehen, der durch intensive Yoga-Übungen gewonnen wird. Ziel dieser Yoga-Art ist es das Geheimnis Gottes zu erfahren, welches besagt, dass der Hindu nur an ihn glauben soll und sich ihm völlig hingeben soll.
Swami Vivekanada war der Wegbereiter von Paramahansa Yogananda, der 1920 in die USA kam und mit seiner "Autobiographie eines Yogi" nach mehr als 30 Jahren im Westen (Los Angeles) etwa 100.000 Schüler des Kriya-Yoga (ein spezieller Kundalini-Yoga seines Meisters Shri Yukteswar) in den USA und Europa hinterließ.
In den 1930er und 1940er Jahren zog Shri Ramana Maharishi (* 30. Dezember 1879 - † 14. April 1950), der große Weise vom Berg Arunachala (Morgenrot), in Südindien viele Suchende aus Ost und West an. Er ist für seine Anhänger auch heute noch der Beweis für die Realisation des "Ich bin". Prof. Heinrich Zimmer, Schwiegersohn von Hugo von Hofmannsthal, widmete dieser Suche ein Buch. Paul Brunton machte Shri Ramana Maharishi in Amerika bekannt und viele Schüler aus dem Westen reisten nach Indien. Auch heute ist Shri Ramana der Inbegriff für die Realisation im Jnana Yoga. (Was ist das in mir, das "Ich" sagt? Durch die langjährige innere Frage nach dem Ich löst sich dieses auf, und die wahre göttliche Natur des Menschen offenbart sich.)
Weitere Gurus folgten, so machte George Harrison von den Beatles seinen Guru Maharishi Mahesh Yogi, den Begründer der Transzendentalen Meditation (TM), im Westen bekannt; ebenfalls von ihm verbreitet wurde die Religiosität des sog. "Hare Krishna".
Weiter ist Sathya Sai Baba im Westen bekannt. Sai Baba lebt mit seinen Schülern in Indien in seinem Ashram Prashanti Nilayam, bzw. Whitefield bei Bangalore; er hat neben seinen angeblich 12 Millionen indischen Anhängern auch viele devotees aus dem Westen. Er lehrt einen Yoga des Herzens (Bhakti Yoga), aber er ist auch fest in der indischen Tradition verhaftet. Bekannt wurde er auch durch physische Manifestationen, deren Wahrheitsgehalt umstritten ist.
Für Schlagzeilen sorgte ein Tantra-Guru Bhagwan, später Osho in den 1980er Jahren in der Weltpresse. Seine Anhänger, die sich Sanyasins nannten, und zuerst in orangefarbener, später in roter/rosafarbener Robe gekleidet sind, haben besonders in Deutschland (etwa 50.000 Sanyasins) aber auch in vielen weiteren europäischen Ländern und in den USA die (esoterische) Seminarlandschaft in vielen Bereichen bis heute geprägt. Von seinen Anhängern werden zahlreiche Presseberichte, die Geschenke an den Guru - unter anderem zahlreiche Rolls Royce in verschiedenen Pastellfarben - als Sensation des religiösen Wahnsinns aufzuzeigen, zurückgewiesen.