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Rudern
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Von Leon Wein
Veröffentlicht am 20.01.09
 
Der Ausdruck Rudern bezeichnet allgemein die Fortbewegung eines Wasserfahrzeuges durch menschliche Kraft mittels Riemen oder Skulls.

Einführung
Der Ausdruck Rudern bezeichnet allgemein die Fortbewegung eines Wasserfahrzeuges durch menschliche Kraft mittels Riemen oder Skulls.

Rudern ist eine Sportart, bei der Boote übers Wasser fahren, in denen - je nach Ausprägung - unterschiedlich viele Leute Sitzen: Die Spanne reicht dabei vom Einer, auch Skiff genannt, bis zum Achter (es gibt sogar einen 24er). Im Gegensatz zum Paddeln sitzen die Ruderer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, und die Riemen oder Skulls sind fest am Bootskörper gelagert - in der Dolle, die sich auf den, am Bootskörper befestigten Auslegern befinden.

Rudern als Sportart ist bereits in der Antike bekannt gewesen. Teilweise bezeichnet Rudern in der Geschichtsschreibung alle Fortbewegungen auf dem Wasser. 1715 hat der Engländer Thomas Doggett einen ersten Ruder-Wettkampf der Neuzeit ausgeschrieben, die erste Regatta auf der Themse fand 1775 statt. Die wohl bekannteste Regatta auf der Themse ist der Wettkampf der Ruder-Achter der Universitäten von Cambridge und Oxford.

Rudern und Gesundheit

Als eine der wenigen Sportarten wirkt sich Rudern auf alle Muskelgruppen aus. Im Unterschied zum Rudern mit Ruderbooten als Volksbelustigung wird beim Sportrudern über einen Rollsitz auch die Beinmuskulatur eingesetzt. Verletzungen beim Rudern sind selten, nach Untersuchungen von Krankenkassen zählt Rudern zu den gesündesten und ungefährlichsten Sportarten. Durch falsche Technik wie Rudern mit krummem Rücken ("Kiste schieben") können allerdings Bandscheibenschäden entstehen. Rudern kann ab einem Alter von ca. 8 Jahren (entscheidend ist hier vor allem die Körpergröße) bis ins hohe Alter betrieben werden.


Eine (Kurz-)Beschreibung der richtigen Rudertechnik
Die Rudertechnik kann man grob in 2 Phasen einteilen: Vorrollen und den Durchzug. Der Schlag wird aus der Grundstellung begonnen: Die Beine und Arme sind durchgestreckt und der Rücken gerade und stabil. Die/das Ruder ist leicht aus dem Wasser gehoben, das Ruderblatt parallel zur Wasseroberfläche (Achtung - diese Stellung ist durch die geringe Breite der Boote und die recht hohe Sitzposition sehr instabil!). Aus dieser Stellung beginnt man vorzurollen (bei Sportruderbooten ist der Sitz beweglich mittels Rollen auf zwei Schienen geführt). Dabei winkelt man die Beine stark ab und kommt in die zweite Grundposition, die Auslage. Anfänger lassen dabei meist die/das Ruder auf dem Wasser gleiten, um eine bessere Balance zu halten.

In der Auslage sollten die Arme zur Seite gestreckt und der Rücken möglichst leicht gekrümmt nach vorne geneigt sein. Man soll aus dieser Stellung optimal den Druck aufnehmen können, der beim Durchzug erfolgt. Dann dreht man das parallel zum Wasser geführte Ruderblatt auf senkrechte Stellung, setzt es ins Wasser, streckt die Beine durch (der größte Teil der Kraftübertragung erfolgt durch die Beinmuskulatur), hält die Spannung im Rücken und zieht am Ende des Schlages noch mit den Armen an. Danach hebt man die Ruder "hinten" aus dem Wasser und kehrt wieder in die Grundstellung zurück.

Ruderboote


Ruderausbildung im Skiff. Gleichgewichtsübungen am Steg. Bei den Sportruderbooten unterscheidet man zwischen Gig-Booten, die vor allem im Breitensport benutzt werden und Rennruderbooten, die im Leistungssportbereich eingesetzt werden. Der Unterschied liegt in der Bootsform, den zum Bau verwendeten Materialien und daraus resultierend im Gewicht. Gigboote werden in A, B, C, D und E nach Breite und Bauweise (Klinkerbauweise) unterschieden. Als besondere Ausprägung findet sich in der Ruderfamilie noch das Kutterrudern, vorwiegend bei der Marine zu finden.

Arten von Rudern

  • Skullen: Jeder Ruderer hat in der linken und rechten Hand ein Ruder (auch Skull genannt). Die Skulls werden zur besseren Kontrolle des Gleichgewichts vom Ruderer hintereinander geführt. In Deutschland wird das Backbordskull vor dem Steuerbordskull geführt. In der ehemaligen DDR wurde das Steuerbordskull vor dem Backbordskull geführt.
Diese Art zu Rudern wird vor allem in der Anfängerausbildung und in den Altersklassen Kinder und Junioren-B eingesetzt, da es beim Riemenrudern zu einseitigen Belastungen der Wirbelsäule kommen kann, für die die im Wachstum befindliche Wirbelsäule besonders anfällig ist.

  • Riemenrudern: Jeder Ruderer hat nur ein Ruder (auch Riemen genannt), welches entweder nach Backbord oder Steuerbord geht.

Auf welchen Gewässern kann man rudern
Rudern kann auf allen Flüssen und Seen ausgeübt werden, auf denen auch normaler Schiffsverkehr stattfindet. Auf kleineren Seen und Flüssen ist Rudern nicht möglich, da zum einen die Spannweite des Bootes recht groß ist (Platzbedarf ca. 6m Wasserbreite), als auch typische Trainingsstrecken zwischen zehn und zwanzig Kilometer liegen.


Wanderrudern

Neben Regatten sind Wanderfahrten eine der Attraktionen des Ruderns. Als Wanderfahrten gelten Strecken von über 30km und finden meistens auf längeren Flüssen oder Kanälen statt. Sie werden zumeist in den breiteren Gigbooten durchgeführt. Die Ruderer rudern pro Tag bis zu 100km. Das Gepäck wird entweder im Boot verstaut oder mit einem Begleitfahrzeug transportiert. Die Nächte werden entweder auf Campingplätzen oder in am Wege liegenden Bootshäusern anderer Rudervereine verbracht.

Rudern als Wettkampfsportart

Um sich mit anderen zu messen, treffen sich die Ruderer auf so genannten Regatta-Strecken. Die Wettkampfdistanz beträgt regulär 2000 Meter (Senioren). Es werden jedoch auch Regatten ausgetragen die über 500 oder 1000 Meter bis zu mehreren Kilometern gehen. Auf einer Regatta-Strecke können meistens 6-8 Boote gleichzeitig starten (abhängig von der Breite des Gewässers). Dabei steht für jedes Boot in der Regel eine eigene Bahn zur Verfügung, die durch Bojen von der des Nachbarn getrennt ist (Albano-Bojensystem). Ein Schiedsrichter, der im Motorboot dem Starterfeld folgt, sorgt mittels Megafon und Handfahne, dass kein Boot seine Bahn verlässt. Wettkämpfe werden für verschiedene Altersklassen ausgeschrieben: Kinder, Junioren A/B, Senioren A/B sowie Masters, teilweise unterteilt in Leicht- und Schwergewichte.
Beispiele: Regatta


Olympisches Rudern
Rudern ist seit 1900 olympische Sportart (Beispiele: Olympische Sommerspiele). Das erste Rennen im Einer ging über eine Distanz von 1750 Metern. Die Distanzen betrugen 1904 3219m, 1908 2414m und 1948 1883m. Heute werden Wettkämpfe über eine Distanz von 2000m gefahren. Frauenrudern gibt es seit 1976 bei den Olympischen Spiele.

Derzeit werden 14 Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen durchgeführt.

Bei den Herren:

  • Doppelzweier
  • Doppelzweier (Leichtgewichte)
  • Zweier ohne Steuermann
  • Einer (Skiff)
  • Vierer ohne Steuermann
  • Vierer ohne Steuermann (Leichtgewichte)
  • Doppelvierer ohne Steuermann
  • Achter (mit Steuermann)
Bei den Damen:

  • Zweier ohne Steuerfrau
  • Doppelzweier
  • Doppelzweier (Leichtgewichte)
  • Einer (Skiff)
  • Doppelvierer ohne Steuerfrau
  • Achter (mit Steuerfrau)
Rudern bei den Olympischen Sommerspielen
Paris 1900 | St. Louis 1904 | London 1908 | Stockholm 1912 | Antwerpen 1920 | Paris 1924 | Amsterdam 1928 | Los Angeles 1932 | Berlin 1936 | London 1948 | Helsinki 1952 | Melbourne 1956 | Rom 1960 | Tokio 1964 | Mexico City 1968 | München 1972 | Montréal 1976 | Moskau 1980 | Los Angeles 1984 | Seoul 1988 | Barcelona 1992 | Atlanta 1996 | Sydney 2000 | Athen 2004

Vom Weltruderverband (FISA) anerkannte Klassen von Rennruderbooten

  • Allein
    • Einer, auch Skiff: Eine Person rudert, hat links und rechts ein Ruder (Skull)
  • Zu Zweit
    • Zweier ohne: Zwei Personen mit je einem Riemen, ohne Steuermann.
    • Zweier mit: Zwei Personen mit je einem Riemen und als dritte Person einen Steuermann. Kann vorn im Boot liegen oder hinten sitzen.
    • Doppelzweier: Zwei Personen mit je einem Paar Skulls.
  • Zu Viert
    • Vierer ohne: Vier Personen mit je einem Riemen, ohne Steuermann.
    • Vierer mit: Vier Personen mit je einem Riemen und als fünfte Person einen Steuermann. Kann vorn im Boot liegen oder hinten sitzen.
    • Doppelvierer: Vier Personen mit je einem Paar Skulls. Einen Steuermann gibt es hier nicht.
  • Zu Acht
    • Achter: Acht Personen mit einem Riemen und einem Steuermann. Ist die schnellste Bootsklasse
Es gibt noch andere Bootsklassen (sogar einen Einer mit Steuermann), die aber im Leistungssport keine Rolle spielen. Bei Breitensportregatten wird zum Beispiel recht häufig der Doppelvierer mit Steuermann gefahren, ebenso gibt es einen Doppelachter.

Es gab bis ca. Mitte der 50er Jahre auch Weltrekorde in den olympischen Ruderdisziplinen. Die erreichbaren Zeiten bei Ruderwettkämpfen sind jedoch extrem stark von folgenden Bedingungen abhängig: Wind, Wassertiefe- und qualität, Strömung, Unterströmung, Wellen. Dazu kommen natürlich die Konstruktion des Bootes und die körperliche Fitness des Ruderers. Aufgrund der starken Abhängigkeit von äußeren Einflüssen werden heute keine offiziellen Weltrekorde mehr geführt. Allerdings gibt es inoffizielle Rekorde auf Regattastrecken. In Nichtolympischen Disziplinen gibt es weiterhin Rekorde, etwa für Ozeanüberquerungen im Ruderboot.

Meisterschaften

Ruderweltmeisterschaften finden in den nichtolympischen Jahren sowie in den nichtolympischen Bootsklassen zusätzlich auch in den olympischen Jahren statt.

Die Weltmeisterschaften 2003 fanden vom 24. bis 31. August in Mailand, Italien statt. - Offizielle Webpräsenz auf Englisch und Italienisch

2007 werden die Weltmeisterschaften in München stattfinden.