Geschichte des Waldes in Mitteleuropa: Römisch-Germanische Siedlungsperiode
- Von Tobias Feld
- Veröffentlicht 22.01.09
- Land- und Forstwirtschaft
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Wald im freien Germanien
Publius Cornelius Tacitus beschrieb das freie Germanien (Germania magna) im 1. Jahrhundert als "terra aut silvis horrida aut paludibis foeda" - ein Land, bedeckt von schrecklichen Wäldern oder abscheulichen Sümpfen. Tacitus mediterrane Heimat war zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrhunderte Kulturlandschaft, der Wald für Felder, Obstanlagen und Städte gerodet, zu Schweigen vom Holzbedarf für Hausbrand und Flottenbau. Ein Land, dessen Fläche zu vermutlich 70% mit Wald bedeckt und klimatisch abweisend war, beeindruckte römische Beobachter offensichtlich. In der Namesgebung kommt dies zum Ausdruck. Gebirgszüge wie der Schwarzwald hießen Silva Abnoba, nicht Mons Abnoba.
Es kann davon ausgegangen werden, daß in dieser Zeit unwegsame Mittelgebirgszüge von menschlicher Einflussnahme noch weitgehend verschont waren. Aber auch in den Ebenen gab es noch große, zusammenhängende Waldgebiete. Diese fanden sich vor allem zwischen den Siedlungsgebieten der germanischen Stämme und wurden zur gegenseitigen Abgrenzung respektiert.
Als Siedlungsräume kamen flussferne Auengebiete und Wälder auf reichen Böden in Frage. Eingriffe fanden zuerst natürlich durch den direkten Siedlungsbau statt; es erfolgte dann die Rodung für Ackerbau und Weideland. Holzentnahme für Feuerung führten infolge um die Siedlungsbereiche zu weiterer Ausdünnung der natürlichen Bestände. Verschiedene Nutzungsformen wie Waldweide begünstigten masttragende Baumarten wie Eiche (Quercus) und Buche (Fagus). In der Nähe von Erzabbaugebieten wurden vermutlich im großen Umfang Buchenbestände gefällt, da Feuer aus Buchenholzkohle zur Bearbeitung des Metalls notwendig war.
Feste Städte und Dörfer waren im freien Germanien jedoch eher eine Seltenheit. Siedlungen wurden nach einiger Zeit durchaus aufgegeben und vielen der Sukzession anheim. Hier konnte sich eine naturähnliche, nicht natürliche, Vegetation wieder entwickeln.