Geschichte des Waldes in Mitteleuropa: Waldentwicklung im Mittelalter
- Von Tobias Feld
- Veröffentlicht 22.01.09
- Land- und Forstwirtschaft
-
Bewertung:
Nicht bewertet
Waldflächenanteil
Mit den Wirrnissen der Völkerwanderungszeit breitete sich der Wald in Mitteleuropa wieder aus. Auf den Kulturflächen der römischen Kolonisation konnte der Wald oft wieder Fuß fassen. Erst am Ende der Völkerwanderungszeit nahm die Besiedlungsfläche wieder zu, vor allem auf ackerbaulich geeigneten Böden entstanden bald gefestigte Strukturen. Zwei intensive Rodungsperioden lassen sich unterscheiden. Die erste dauerte von etwa 500 bis etwa 800 und die zweite von etwa 1100 bis etwa 1300, dem Beginn der Krise des 14. Jahrhunderts. Vor allem in der ersten Rodungsperiode zur Zeit der Karolinger wurden die bereits von den Römern erschlossenen Gebiete wieder besiedelt. Danach wurden vor allem gut erreichbare und nährstoffreichere Böden besiedelt. Die hohen Mittelgebirgszüge blieben in dieser frühen Phase menschenleer. Erste dauerhafte Siedlungen lassen sich im Schwarzwald z.B. erst ab etwa 1000 nachweisen, auch der Harz war zu dieser Zeit nur von schwer begehbaren Pfaden durchzogen. Aber auch stromnahe Auwälder (z.B. am Rhein) blieben aufgrund der Unberechenbarkeit der Flüsse noch erhalten. Die flußfernen Teile der Aue wurden hingegen genutzt.
Nach dem Jahr 800 stockte die Besiedlung und Rodung der Wälder in Mitteleuropa. Bedingt durch Seuchenzüge und dem Einfall fremder Völker (im Norden Normannen, im Süden Magyaren) stieg die Bevölkerungszahl nicht wesentlich an.
Ab 1100 setzte die letzte große Rodungsperiode ein. Menschlichen Besiedlungen drangen nun auch in entlegenere Täler der Mittelgebirge vor. Waldflächen wurden bis 1300 gerodet bzw. landwirtschaftlich so intensiv genutzt, das sie ihren Waldcharakter verloren. Mit Ende des 14. Jahrhunderts hatte sich ein Verhältnis zwischen Kultur- und Waldfläche gebildet wie es ungefähr auch dem heutigen entspricht.