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Bier ist im engeren Sinne ein alkohol- und kohlensäurehaltiges Getränk, das durch Gärung aus den Zutaten Wasser, Malz und Hopfen unter Zuhilfenahme von Hefe gewonnen wird.

Im weiteren Sinne versteht man unter Bier jedes alkoholhaltige Getränk, das auf Basis von verzuckerter Stärke hergestellt wurde, ohne dass dabei ein Destillationsverfahren angewandt wurde. Die Abgrenzung zu Wein besteht darin, dass für Weine Zucker aus pflanzlichen (Fruchtzucker) oder tierischen Quellen (zum Beispiel Honig) verwendet werden, während der Ausgangsstoff für Bier immer Stärke ist.

In Russland zählt Bier seit einigen Jahren offiziell zu den nichtalkoholischen Getränken. Durch diese Änderung wollte man den Wodka-Konsum zurückdrängen, der Plan scheint jedoch nicht aufzugehen.

In der Regel wird der Zucker aus der Stärke von Getreide (Gerste, Reis, Weizen, Mais) gewonnen, gelegentlich wird aber auch Stärke aus Kartoffeln und sogar Erbsen herangezogen. Dementsprechend fällt auch der japanische Sake unter die Definition Bier oder "bierartige Getränke".

Derzeit stärkstes Bier der Welt mit einem Alkoholgehalt von 17,5 Prozent ist das erst seit 1991 in Boston (USA) gebraute Samuel Adams Triple Bock. Der hohe Alkoholgehalt wird unter anderem durch Zugabe von Ahornsirup beim Gärprozess erzielt. Das nach einer Mischung aus Bitterschokolade und süßem Sherry schmeckende Gebräu wird zur Reifung in gebrauchten Whiskey-Fässern gelagert.

Stärkstes Bier Europas ist das Samichlaus Bier (Santa Claus Bier). Es wird in der Brauerei "Schloss Eggenberg" in Österreich gebraut und hat einen Alkoholgehalt von 14 Prozent und eine Stammwürze von 32 Prozent.

Das stärkste Bier Deutschlands ist der "Donnerbock", eine Doppelbockspezialität (Eis-Bock) aus der Brauerei Schorschbräu in Gunzenhausen: es hat einen Alkoholgehalt von 13 Prozent (Stammwürze: 25 Prozent) und löst das aus Kulmbach stammende EKU 28 der Brauerei Kulmbach ab. Letzteres galt für viele Jahre als das stärkste Bier der Welt.

Der Ursprung des Wortes Bier ist unsicher. Vermutlich stammt es vom lateinischen Wort "biber" (Trank), damit verbunden die Zusammenziehung der lateinischen Wörter "bibere cervisia" (bibere = trinken, cervisia (von Ceres) = Bier). Bier wird seit etwa 6000 Jahren hergestellt. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Brot, das nass geworden war und zu gären begonnen hatte, den Auslöser zur bewussten Herbeiführung des Gärungsprozesses gegeben hat. Diese Entdeckung hat sich wahrscheinlich mehrfach in der Geschichte der Menschheit zugetragen. Es lässt sich also auch nicht genau sagen, wo zuerst Bier gebraut wurde.

Die frühesten Nachweise für Bier gibt es aus dem mesopotamischen Raum. Die ältesten Überreste von Bier, die aus einer Zeit von 3500–2900 vor Christus stammen, wurden vor kurzem in Godin Tepe im alten Mesopotamien (heute im West-Iran) entdeckt. Ähnlich alt (aus der Zeit von 3500–3400 vor Christus) sind Funde aus Hieraconpolis in Oberägypten.

Schriftlich erwähnt wird Bier (kash auf sumerisch, shikaru auf akkadisch) in einer Reihe verschiedener früher Quellen: Eine vom Amerikaner Samuel Noah Kramer entdeckte Tontafel aus Nippur (etwa 2100 vor Christus) erwähnt Bier im Rahmen medizinischer Verschreibungen – nebenbei bemerkt die ältesten erhaltenen medizinischen Verschreibungen: Die dort erwähnten Heilmittel sollten entweder äußerlich angewendet, oder eben mit Bier oder Wein zum Einnehmen verabreicht werden.

Es gibt Abbildungen biertrinkender Sumerer aus der Zeit von etwa 3000 vor Christus. Der Codex Hammurapi enthält die älteste überlieferte Schankordnung der Welt. Dieses babylonische Gesetzeswerk in Keilschrift stammt aus der Zeit von 1700 vor Christus Bier war zu dieser Zeit auch in Ägypten Grundnahrungsmittel aller Bevölkerungsschichten, einschließlich des Königshauses. Es wurde hek genannt. Die meisten Biere schmeckten süßlich, manche wurden mit Stoffen wie Safran oder Anis gewürzt und mit Alraune vermischt.

Bei den Römern hieß das Bier Cervisia, nach der Göttin der Feldfrüchte, Ceres. Allerdings forcierten die Römer zumindest in Südeuropa eher den Weinanbau. Besonders sensibel im Umgang mit dem gegorenen Hopfennektar zeigten sich die alten Sueben, deren erprobte Rezepturen bis heute im Südwesten Deutschlands den Feiertag schmücken.

Klosterbrauereien führten im Mittelalter zu einem geregelten Braubetrieb. Im Mittelalter galt Bier auch als geeignetes Getränk für Kinder. Zum einen hatte es einen geringeren Alkoholgehalt als heute, zum anderen war Bier durch das Hopfenkochen weitgehend keimfrei, was man vom Wasser damals nicht behaupten konnte. Schließlich hatte es wegen seines hohen Kaloriengehaltes eine wichtige Ergänzung der oft knappen Nahrung.

Während der Fastenzeit wurde ein besonders starkes Bier mit hohem Alkoholgehalt (Starkbier, Bockbier) gebraut. Später braute man Starkbiere auch zu Feiertagen.

Angesichts des hohen Bierkonsums im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, war Bier für den städtischen Fiskus und die seit etwa 1500 entstehenden Landessteuerbehörden von großem Interesse. Bereits im Spätmittelalter wurden fast überall im Reich Produktions- und Verkaufssteuern auf Bier erhoben. Das Brauen und der Verkauf des Bieres war an bestimmte Privilegien gebunden. Brauen durfte in den Städten nur jene Bürger, die einen so genannten Bierhof (Hausgrundstück mit Braurecht) besaßen. Die Inhaber der Bierhöfe gehörten daher zu den wohlhabenden Oberschichten der Städte. Brauen galt als bürgerliche Nahrung und war dem Adel deshalb nur zum Eigenbedarf gestattet. (Klöster besaßen oft ebenfalls ein Braurecht). Mit der strengen Reglementierung wollten die Obrigkeiten einerseits den Brauberechtigten das Einkommen sichern und andererseits dafür sorgen, dass kein fremdes Bier getrunken wurde, für das man keine Steuern kassiert hatte. Im 16. Jahrhundert wurde in vielen Teilen des Reiches das nun regelmäßig erhobene Biergeld zu einer der wichtigsten Steuerquellen der Landesfürsten.

In Deutschland wird Bier bis heute nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut, das heißt nur aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Mittlerweile ist aber aufgrund von europäischen Richtlinien auch Herstellung und Vertrieb von Bier mit Zusätzen erlaubt, wie in anderen Ländern.

Die Tschechen haben den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Bier. Die heute am weitesten verbreitete Brauart ist das Pilsener, welches nach seinem Herkunftsort Pilsen in Tschechien benannt ist. Das meiste Bier wird in den USA und China gebraut.

In Bayern wird Bier als Nahrungsmittel betrachtet. Dort sind auch noch heute besonders viele Biersorten und die größte Vielfalt an Brauereien auf kleinstem Raum (speziell in der Oberpfalz und Franken) anzutreffen. Aus Bayern kommen auch verschiedene Traditionen rund ums Bier, zum Beispiel der Spruch Ozapft is auf dem Münchner Oktoberfest oder der Trinkspruch: Hopfen und Malz – Gott erhalt"s (eine Anspielung auf das Reinheitsgebot). Brauprozess Im Wesentlichen besteht der Brauprozess für Bier aus folgenden Schritten:

  1. Grünmalzherstellung: Gersten- oder (bei Weißbier) Weizenkörner werden unter Zugabe von Wasser zum Keimen gebracht. Der Keimprozess sorgt dafür, dass die zur Stärkeaufspaltung notwendigen Enzyme im Korn gebildet beziehungsweise angereichert werden.
  2. Darren: Der Keimvorgang wird durch Erhitzen des Grünmalzes auf 85–100 Grad Celsius unterbrochen, das Malz getrocknet.
  3. Schroten: Das Malz wird mittels einer Schrotmühle definiert zerkleinert.
  4. Maischen: Mit Wasser wird das Malz im Maischbottich vermischt (Einmaischen). Danach wird die Temperatur der Maische in verschiedenen Stufen erhöht. Die in der Maische enthaltenen Enzyme spalten die Stärke im Malz in Malzzucker auf. Auch das im Korn vorhandene Eiweiß wird dabei in Aminosäuren zerlegt. Mit dem Jodtest wird festgestellt, ob die Stärke vollends verzuckert wurde. Der Maischprozess dauert zwei bis vier Stunden.
  5. Läutern: Die Maische wird unter Wasserzugabe in einer Art Filter, dem Läuterbottich, geklärt. Alle Feststoffe aus der Maische scheiden sich als sogenannter Treber ab, der meist als Viehfutter verwendet wird. Das klare Endprodukt aus dem Läuterprozess heißt Würze. Sie wird je nach Gewinnungszeitpunkt als "Vorderwürze" oder als Nachguss gewonnen.
  6. Würze: In der Würzepfanne oder auch Sudpfanne wird die Würze gekocht, dabei wird Hopfen (meist in Form von Extrakt) zugegeben und mitgekocht. Durch das Kochen wird die Würze auf die für jede Sorte spezifische Stammwürze aufkonzentriert. Am Ende der Würzekochung erfolgt die Bestimmung der Stammwürze mittels einer Spindel (Saccharometer). Vor der Erfindung der Sudpfanne erfolgte das Erhitzen durch Einlegen heißer Steine in die Würze (Steinbier).
  7. Ausschlagen: Anschließend werden die in der Würze vorhandenen nicht gelösten Hopfenbestandteile und ausgefallenes Eiweiß ausgefiltert. Dies geschieht im sogenannten Whirlpool, in dem die Flüssigkeit im Kreis gerührt wird. Durch den dabei auftretenden "Teetasseneffekt" setzt sich in der Mitte ein Kegel mit den Trübstoffen ab.
  8. Abkühlen: In einem Wärmetauscher wird sodann die klare Würze auf etwa 5 bis 10 Grad Celsius heruntergekühlt
  9. Gären: Nun erfolgt der eigentliche Gärprozess: In großen Gärtanks wird der Zucker in der Würze innerhalb von fünf bis acht Tagen zu Alkohol vergoren. Etwa 60–70% des Malzzuckers werden auf diese Weise umgesetzt. Das dabei entstehende Kohlendioxid wird in der Regel abgesaugt, um dem Bier am Ende des Brauprozesses (beziehungsweise beim Zapfen) wieder zugesetzt zu werden. Heute gibt man hier die Bierhefe dazu, je nach Hefesorte ergibt es untergäriges oder obergäriges Bier, früher hat man die Gärung dem Schicksal überlassen (die Hefesporen kamen aus der Luft), dadurch gelang nur selten eine Charge gut – diese wurde dann besonders geschätzt und gefeiert –; oft misslang sie auch völlig und musste weggegossen werden. Erfolgreiche Brauer wurden beneidet und gelegentlich voll Misstrauen beäugt, sie konnten entweder als Hexer oder als gottbegnadete Heilige gelten. So mancher Brauer endete auch auf dem Scheiterhaufen. Manche Bäcker hatten durch Bierbrauen ein zweites Einkommen. Durch die in der Backstube reichlich vorhandenen Hefesporen gelang ihnen das Brauen häufig und gut. Die belgischen Flaschenbiere werden teilweise noch heute ohne Hefezugabe gebraut.
  10. Lagerung: Das Bier wird anschließend in Lagertanks umgepumpt. Hier wird nachgegärt: Der noch vorhandene Zucker wird in Alkohol umgesetzt. Die Lagertanks stehen in der Regel unter Druck, so dass das entstehende Kohlendioxid nicht mehr entweicht, sondern als Kohlensäure im Bier bleibt. Die Nachgärung kann – je nach Biersorte – drei Wochen bis drei Monate dauern. Durch die Lagerung erhält das Bier seine Reife und endgültigen Geschmack.
  11. Filtrieren: Bei der Mehrzahl der Biere wird das Bier nach der Lagerung erneut gefiltert. Bei naturtrüben Bieren entfällt dieser Schritt.
  12. Abfüllen: Anschließend wird das Bier in Flaschen oder Fässer abgefüllt.
  13. Flaschengärung: Bei einigen Biersorten (zum Beispiel Weißbier) kommt es in der Flasche noch mal zu einem letzten Gärprozess. Da die Lagerung beendet wird, bevor aller Zucker vergoren ist, verbleibt auch ein Rest Hefe im Bier.