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Stummfilm
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Von Erika Smidt
Veröffentlicht am 12.08.08
 
Während der Frühzeit des Kinos gab es noch keine zufriedenstellende Möglichkeit, Bild und Ton synchron aufzunehmen und abzuspielen, weshalb die Filme so genannte Stummfilme waren. Die Handlung musste also größtenteils über die Bilder transportiert werden, weshalb frühe Filme meist sehr körperbetont waren und die Gesten der Schauspieler vor allem in Dramen vom heutigen Blickpunkt aus übertrieben wirken mögen (das sog. over-acting).

Geschichte und Technik
Während der Frühzeit des Kinos gab es noch keine zufriedenstellende Möglichkeit, Bild und Ton synchron aufzunehmen und abzuspielen, weshalb die Filme so genannte Stummfilme waren. Die Handlung musste also größtenteils über die Bilder transportiert werden, weshalb frühe Filme meist sehr körperbetont waren und die Gesten der Schauspieler vor allem in Dramen vom heutigen Blickpunkt aus übertrieben wirken mögen (das sog. over-acting).

Der Vorteil des Stummfilms lag daran, dass er universell verständlich war. Deutsche Filme konnten ohne Verständnisprobleme einem amerikanischen Publikum vorgeführt werden und umgekehrt. Besonders in den USA war diese universelle Verstehbarkeit von Vorteil, da dort sehr viele Einwanderer lebten, die des Englischen nicht mächtig waren. Sie bildeten die Hauptzielgruppe der frühen amerikanischen Filmindustrie. Dänemark hatte zur Stummfilmzeit eine führende Position auf dem internationalen Filmmarkt.

Wenn die Notwendigkeit bestand, Handlungen zu erklären, wurden bis 1908 unsystematisch Filmerklärer eingesetzt, danach meist Texttafeln mit erklärenden Zwischentiteln. Im japanischen Kino gab es ab ca. 1908 einen oder mehrere Benshi, die die Filme erklärten und alle Rollen live während der Vorführung sprachen. Zu allen Stummfilmen lief Musik, entweder in Form einer für den Film geschriebenen Partitur oder als Improvisation eines Musikers. Als Deutschlands bekanntester Stummfilmpianist gilt Willi Sommerfeld.

Der Umfang und die Qualität der musikalischen Begleitung hingen natürlich vom Kino ab; so wurden bei Galaveranstaltungen teilweise ganze Orchester zur Begleitung engagiert.

Von den Anfängen der Filmprojektion an bestand der Wunsch, die stummen Filme mit Ton zu perfektionieren. Zeitungskritiken zu den ersten Filmvorführungen sprachen, bei aller Bewunderung für die "Lebende Photographie", den Mangel der stummen Bilder deutlich aus. Zu den ersten Filmvorführungen z.B. in Ostfriesland wurde durch den Wanderkinopionier als Hintergrundvertonung Militärmusik mittels des Phonographen gespielt. Ab 1904 führten die Wanderkinos auf den Jahrmärkten mittels Nadeltonverfahren die sog. "Tonbilder" auf, die sich noch bis in die Frühzeit der ersten Ladenkinos im Programm jedes Kinos hielten. Hierbei wurden Schallplatten, die mit den Filmen produziert wurden, zu den Bildern dargeboten. Die Qualität war schlecht, die Synchronität oft nicht gegeben, so blieb ein dauerhafter Erfolg oder gar der Durchbruch versagt.

Das Ende der Stummfilmära
In den späten 1920er und den frühen 1930er Jahren wurde der Stummfilm durch den Tonfilm (in den USA "Talkie" genannt) abgelöst. Der erste Tonfilm war der 1927 gedrehte Film The Jazz Singer. Der dort gesprochene Satz "Wait a minute, you ain"t heard nothin" yet!" läutete den Anfang vom Ende des Stummfilms ein.

In Hollywood bereitete der Übergang einigen Künstlern große Schwierigkeiten, einige Stars der Stummfilmzeit gerieten völlig in Vergessenheit und andere, wie Charlie Chaplin beklagten, dass der Tonfilm ihre künstlerischen Freiheiten einenge.

Ein Problem gab es auch für Immigranten: Europäische Filmstars wie z. B. Pola Negri sahen sich damit konfrontiert, dass ihre Stimme einen Akzent aufwies, den die Filmstudios ihren Zuschauern nicht zumuten wollten.

Experten schätzen, dass 80 bis 90 Prozent aller Stummfilme unwiederbringlich verloren sind. Dies ist vor allem auf das damals verwendete Filmmaterial zurückzuführen, das - sofern es nicht entsprechend gelagert wurde - schlicht zu Staub zerfallen ist.

Bedeutende Filmschaffende des Stummfilms
Der einflussreichste und erfolgreichste amerikanische Stummfilm-Regisseur war D. W. Griffith mit Filmen wie Intolerance and Birth Of A Nation, wobei letzter wegen seiner relativ kritiklosen Verherrlichung des Klu-Klux-Klans umstritten ist. Nichtsdestotrotz gelten seine Filme vor allem aus technischer und stilistischer Sicht als frühe Meisterwerke des Kinos.

Ein weiterer sehr einflussreicher und bekannter Stummfilm ist Panzerkreuzer Potemkin des russischen Regisseurs Sergej Eisenstein, der mit seiner damals experimentellen Schnitttechnik Aufsehen erregte und die filmische Sprache bis heute prägte. Insbesondere die sog. Odessa-Sequenz ist legendär und wurde oft zitiert und auch parodiert.

Auch Deutschland war damals ein führendes "Filmland"; noch heute zählen vor allem die Filme des deutschen Expressionismus (v. a.Das Cabinet des Dr. Caligari und Nosferatu, eine Symphonie des Grauens) zu den wichtigsten Werken der Filmgeschichte.

Noch heute bekannt sind neben den großen Klassikern (s. u.) vor allem amerikanische Stummfilm-Komödien von z. B. Charlie Chaplin, Laurel & Hardy, Buster Keaton und W. C. Fields.

Bekannte Stummfilme
  • Birth of a Nation (D. W. Griffith, 1915)
  • Metropolis (Fritz Lang)
  • Panzerkreuzer Potemkin (Sergej Eisenstein)
  • Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (Friedrich Wilhelm Murnau)
  • Das Cabinet des Dr. Caligari
  • Goldrush (dt. Goldrausch) (Charlie Chaplin)
  • The Kid (dt. Der Vagabund und das Kind) (Charlie Chaplin)

Hommages an Stummfilme
Auch nach Einführung des Tonfilms entstanden noch einige Stummfilme. Auch wenn in einigen gesprochen wird, ist dies meist nur selten, und die filmische Erzählung "funktioniert" dennoch stumm.
  • Modern Times (dt. Moderne Zeiten) (Charles Chaplin)
  • Die Ferien des Mr. Hulot (1953) (Jacques Tati)
  • Silent Movie (1976) (Mel Brooks)