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Schachweltmeister
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Von Tobias Lesch
Veröffentlicht am 13.08.08
 
Wilhelm Steinitz gilt durch seinen Sieg über Johannes Zukertort im Wettkampf von 1886 allgemein als der 1. Schachweltmeister. Freilich gab es auch zuvor eine Reihe von Spielern, die von dem schachinteressierten Publikum als weltbeste Spieler akzeptiert wurden, so etwa André Danican Philidor, Adolf Anderssen oder Paul Morphy, als solche bezeichnete - und mit einem entsprechenden Einsatz versehene - Weltmeisterschaftskämpfe fanden jedoch nicht statt.

Die Zeit der Weltmeisterschaftskämpfe
Wilhelm Steinitz gilt durch seinen Sieg über Johannes Zukertort im Wettkampf von 1886 allgemein als der 1. Schachweltmeister. Freilich gab es auch zuvor eine Reihe von Spielern, die von dem schachinteressierten Publikum als weltbeste Spieler akzeptiert wurden, so etwa André Danican Philidor, Adolf Anderssen oder Paul Morphy, als solche bezeichnete - und mit einem entsprechenden Einsatz versehene - Weltmeisterschaftskämpfe fanden jedoch nicht statt.

Nach dem Sieg von Steinitz über Zukertort fanden sich etliche Herausforderer, die mit Steinitz um die Weltmeisterschaft spielen wollten. Als Titelanwärter galten insbesondere der spätere Weltmeister Emanuel Lasker, der russische Meister Michail Tschigorin und der deutsche Schachmeister Siegbert Tarrasch. Es war jedoch bis 1948 allein Sache des jeweils amtierenden Weltmeisters, wessen Herausforderung er annahm, und wem er einen Weltmeisterschaftskampf verweigerte, weswegen letztlich auch nur der amtierende Weltmeister die Bedingungen und das Preisgeld diktieren konnte.


1. Weltmeister: Wilhelm Steinitz (1886 - 1894)
Steinitz war eine Kämpfernatur und zudem Berufsschachspieler. Er war deswegen relativ leicht zu bewegen, seinen Weltmeistertitel gegen etwaige Herausforderer zu verteidigen.
  • Der erste Titelkampf nach 1886 fand 1889 erfolgreich gegen Michail Tschigorin statt.
  • 1890/1891 kam es zu einem Weltmeisterschaftskampf zwischen Steinitz und Isidor Gunsberg, den Steinitz gleichfalls für sich entscheiden konnte.
  • 1892 verteidigte Steinitz seinen Titel wiederum erfolgreich gegen Michail Tschigorin.
  • 1894 musste sich Steinitz dem jungen deutschen Talent Emanuel Lasker geschlagen geben.

2. Weltmeister: Emanuel Lasker (1894 - 1921)
Lasker war insgesamt 27 Jahre von 1894 bis 1921 Weltmeister. Seine überragende Stellung in der Schachwelt jener Zeit ist unbestritten. Allerdings war seine Weltmeisterschaft auch dadurch geprägt, dass er Zweikämpfen ungewissen Ausganges durch das Aufstellen nur schwer zu erfüllender Bedingungen aus dem Weg zu gehen wusste. So kam es zu einem von der Schachwelt gewünschten Wettkampf mit dem polnischen Meister Akiba Rubinstein nicht und zu einem Kräftemessen mit dem späteren WeltmeisterJosé Raúl Capablanca erst 1921.

Im einzelnen spielte Lasker nach seinem Sieg über Steinitz 1894 noch folgende Weltmeisterschaftskämpfe:
  • 1896/1897 gab es einen Revanchekampf gegen Steinitz, den Lasker wiederum für sich entscheiden konnte.
  • 1907 siegte Lasker über den Amerikaner Frank Marshall.
  • 1908 besiegte der Weltmeister seinen deutschen Rivalen Siegbert Tarrasch.
  • 1909 konnte sich Lasker gegen David Janowski durchsetzen.
  • 1910 verteidigte Lasker seinen Titel gegen Carl Schlechter. Der Wettkampf endete unentschieden, was zur Titelverteidigung ausreichte.
  • 1921 unterlag Lasker dem kubanischen Meister Jose Raul Capablanca.

3. Weltmeister: Jose Raul Capablanca (1921 - 1927)
Capablanca dominierte die Schachturniere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und war vor allem für sein tiefes positionelles Verständnis berühmt. Um die Weltmeisterschaft spielte er erst 1927 wieder, wobei er sich Alexander Aljechin geschlagen geben musste. In der Folgezeit versuchte er vergebens, Aljechin zu einem Revanchekampf zu bewegen.

4. Weltmeister: Alexander Aljechin (1927 - 1935 / 1937 - 1946)
Durch seinen spektakulären Sieg über Capablanca bestieg Aljechin 1927 den Schachthron. Durch geschicktes Taktieren wusste er einem Revanchekampf gegen Capablanca ebenso auszuweichen, wie einem Weltmeisterschaftskampf gegen Aaron Nimzowitsch, dessen Ausgang höchst ungewiss gewesen wäre. Statt dessen spielte er folgende Wettkämpfe:
  • 1929 verteidigte er seinen Titel erfolgreich gegen Efim Bogoljubow.
  • 1934 trat er erneut gegen Bogoljubow an, der wiederum keine ernsthafte Chance gegen Aljechin hatte.
  • 1935 verlor er schlecht vorbereitet seinen Weltmeisterschaftstitel an Max Euwe.
  • 1937 gelang es ihm im Revanchekampf gegen Euwe, seinen Titel zurückzugewinnen.
Zu weiteren Wettkämpfen kam es während des Zweiten Weltkrieges nicht. 1946 beging Aljechin, der Kollaboration mit den Deutschen und des Antisemitismus bezichtigt, Selbstmord.

5. Weltmeister: Max Euwe (1935 - 1937)
Der wissenschaftlich spielende Niederländer Machgielis (Max) Euwe konnte durch seinen Sieg über Aljechin zwei Jahre lang den Weltmeistertitel für sich beanspruchen.

Hierdurch war er auch als einer der Kandidaten für das Weltmeisterschaftsturnier von 1948 prädestiniert, bei dem er sich jedoch nicht durchzusetzen vermochte.

Das Weltmeisterschaftsturnier von 1948
Durch den Tod Alexander Aljechins wurde der Weg frei für die Übernahme der Weltmeisterschaftskämpfe durch den Weltschachverband (FIDE). Der erste FIDE-Weltmeister wurde in einem Weltmeisterschaftsturnier ermittelt, das 1948 Michail Botwinnik für sich entscheiden konnte.

An dem Turnier nahmen neben Michail Botwinnik noch Paul Keres, Wassili Smyslow, Samuel Reshevsky und Max Euwe teil. Der usprünglich gleichfalls als Teilnehmer vorgesehene amerikanische Meister Reuben Fine verzichtete.

Die Weltmeisterschaften der FIDE
Das neue Weltmeisterschaftsregelment sah vor, dass der Weltmeister seinen Titel alle drei Jahre verteidigen musste. Der jeweilige Herausforderer wurde durch Zonen-, Interzonen- und Kandidatenturniere ermittelt.

Bis 1963 galt zudem die Regel, dass dem Weltmeister im Falle eines Titelverlustes ein Revancherecht ein Jahr später zustehen sollte.

6. Weltmeister: Michail Botwinnik (1948 - 1957, 1958 - 1960, 1961 - 1963)
Nach dem FIDE-Reglement spielte Botwinnik folgende Titelkämpfe:
  • 1951 verteidigte Botwinnik seinen Titel gegen David Bronstein
  • 1954 konnte sich Botwinnik gegen Wassili Smyslow durchsetzen.
  • 1957 verlor Botwinnik seinen Titel an Symslow.
  • 1958 gelang Botwinnik die Revanche gegen Smyslow.
  • 1960 verlor Botwinnik seinen Titel Michail Tal.
  • 1961 gelang Botwinnik wiederum die Revanche.
  • 1963 musste sich Botwinnik dem armenischen Meister Tigran Petrosjan geschlagen geben.

7. Weltmeister: Wassili Smyslow (1957 - 1958)
Der Zweitplazierte des Weltmeisterschaftsturniers von 1948 konnte Botwinnik 1957 im Weltmeisterschaftskampf bezwingen, unterlag dem alten Weltmeister jedoch ein Jahr später bei dem von den Statuten vorgesehenen Revanchekampf.

8. Weltmeister: Michail Tal (1960 - 1961)
Der junge Michail Tal galt als "Feuerkopf" unter den Schachmeistern seiner Zeit. 1960 setzte er sich gegen Weltmeister Botwinnik durch. Zur allgemeinen Überraschung gelang dem weitaus älteren Botwinnik aber dank seiner präzisen Wettkampfvorbereitung erneut die Revanche.

9. Weltmeister: Tigran Petrosjan (1963 - 1966)
1963 gelang es Petrosjan, einem der besten Defensivspieler der Schachgeschichte, Botwinnik zu schlagen. Danach spielte Petrosjan folgende Wettkämpfe:
  • 1966 verteidigte er seinen Titel gegen Boris Spasski.
  • 1969 verlor er seinen Titel an Spasski.

10. Weltmeister: Boris Spasski (1969 - 1972)
Spasskys Weltmeisterschaft dauerte drei Jahre bis zu dem vielbeachteten Wettkampf mit dem amerikanischen Schachgenie Robert James "Bobby" Fischer.
  • 1972 Weltmeisterschaftskampf Spasski gegen Fischer in Reykjavik: Fischer wird Schachweltmeister

11. Weltmeister: Robert James (Bobby) Fischer (1972 - 1975)
Die Weltmeisterschaft Fischers wurde im Westen stark bejubelt. Zu der Faszination, die das Schachgenie Fischer ausstrahlte gesellte sich die Genugtuung darüber, dass es einem Amerikaner gelungen war, in die Domäne der Sowjetischen Schachschule einzudringen.

Allerdings erwies sich Fischers Herrschaft auf dem Schachthron als die kläglichste der Geschichte: Der Amerikaner zog sich vom Schach zurück und verteidigte seinen Titel insbesondere im Jahr 1975 nicht gegen den von der FIDE ermittelten Herausforderer Anatoli Karpow.

12. Weltmeister: Anatoli Karpow (1975 - 1985)
Nachdem Fischer zu dem Weltmeisterschaftskampf 1975 nicht antrat, wurde Herausforderer Karpow von FIDE-Präsident Euwe kampflos zum Weltmeister proklamiert. Als Weltmeister spielte Karpow folgende Wettkämpfe:
  • 1978 gewann Karpow gegen Viktor Kortschnoi
  • 1981 gewann Karpow wiederum gegen Kortschnoi.
  • 1984 wurde ein Weltmeisterschaftskampf gegen Garri Kasparow nach einer Vielzahl von Remispartien wegen seiner Länge gegen das Reglement abgebrochen. Bei Abbruch des Wettkampfes lag Karpow zwar in Führung, war aber sichtlich angeschlagen, so dass der Abbruch allgemein als eine Begünstigung des Weltmeisters gegen seinen jungen Rivalen angesehen wurde.
  • 1985 musste sich Karpow dann gegen Kasparow geschlagen geben. Die Statuten sahen für diesen Fall allerdings ein Revancherecht Karpows vor: Der Revanchewettkampf wurde 1986 ausgetragen, wobei Karpow erneut verlor.

13. Weltmeister: Garri Kasparow (1985-1993)
Unter der Leitung der FIDE spielte Kasparow zunächst folgende Wettkämpfe:
  • 1986 siegte er in dem vereinbarten Revanchematch erneut gegen Karpow.
  • 1987 setzte er sich in einem regulären Weltmeisterschaftskampf gegen Karpow durch.
1990 hieß der Herausforderer wiederum Anatoli Karpow, wobei sich Karpow erneut nicht gegen seinen Dauerrivalen durchsetzen konnte.

1993 kam es dann zum Bruch zwischen Kasparow und der Weltschachorganisation. Kasparow weigerte sich, unter den Bedingungen der FIDE erneut um die Weltmeisterschaft zu spielen und war maßgeblich an der Gründung eines eigenen Schachverbandes beteiligt. Seither wurden in beiden Verbänden rivalisierende Weltmeister ermittelt.

Liste der Schachweltmeister
Name von-bis Land
Wilhelm Steinitz 1886-1894 Österreich
Emanuel Lasker 1894-1921 Deutschland
José Raúl Capablanca 1921-1927 Kuba
Alexander Aljechin 1927-1935/1937-1946 Russland/Frankreich
Max Euwe 1935-1937 Niederlande
Michail Botwinnik 1948-1957/1958-1960/1961-1963 UdSSR
Wassili Smyslow 1957-1958 UdSSR
Michail Tal 1960-1961 UdSSR
Tigran Petrosjan 1963-1969 UdSSR
Boris Spasski 1969-1972 UdSSR
Bobby Fischer 1972-1975 USA
Anatoli Karpow 1975-1985 UdSSR
Garri Kasparow 1985-1993 UdSSR/Russland

Schachweltmeister PCA/Braingames ab 1993
Garri Kasparow 1993-2000 Russland
Wladimir Kramnik seit 2000 Russland

Schachweltmeister FIDE ab 1993
Anatoli Karpow 1993-1999 Russland
Alexander Khalifman 1999-2000 Russland
Viswanathan Anand 2000-2002 Indien
Ruslan Ponomariov 2002-2004 Ukraine
Rustam Kasimdschanow seit 2004 Usbekistan

Schachweltmeisterinnen
Name von-bis Land
Vera Menchik 1927-1944 ČSSR/Großbritannien
Ludmilla Rudenko 1950-1953 UdSSR
Elisabeth Bykova 1953-1956/1958-1962 UdSSR
Olga Rubzowa 1956-1958 UdSSR
Nona Gaprindaschwili 1962-1978 UdSSR (Georgien)
Maja Tschiburdanidse 1978-1991 UdSSR (Georgien)
Xie Jun 1991-1996/1999-2001 China
Zsuzsa Polgar 1996-1999 Ungarn
Zhu Chen 2001-2004 China
Antoaneta Stefanova seit 2004 Bulgarien