deol.de - http://www.deol.de
Straßenlärm
http://www.deol.de/articles/435/1/StraBenlarm/Seite1.html
Von Thomas Kern
Veröffentlicht am 03.10.08
 
Straßenlärm ist jener Lärmanteil, der durch den Straßenverkehr erzeugt wird. Dazu sind vor allem die von Personen- und Lastkraftwagen bei der Fahrt erzeugten Geräusche zu rechnen. Eine geringere Rolle spielt der Baustellenlärm. Der Straßenverkehrslärm ist in den Industrieländern die bei weitem stärkste Quelle der Lärmbelastung.

Entstehungsmechanismen
Folgende Mechanismen sind für den Hauptanteil des Straßenlärms verantwortlich:

  • Geräusche des Motors/Antriebsstranges (Antriebsgeräusche): Durch die rotierenden Teile, die ihre Schwingungen an die Karosserie übertragen, wird Luftschall erzeugt. Dieser Geräuschanteil dominiert bei niedrigen Geschwindigkeiten und hoher Motorleistung, wie zum Beispiel im Stadtverkehr oder auf Steigungsstrecken.
  • Reifen-Fahrbahngeräusch: Durch die Rauhigkeit der Fahrbahn und das Reifenprofil wird sowohl der Reifen als auch das Fahrzeug in Schwingungen versetzt und strahlt Luftschall ab. Außerdem wird Luft unter dem Reifen im Profil in der Reifenaufstandsfläche komprimiert, was ebenfalls Geräusche erzeugt. Dieser Geräuschanteil ist über einen weiten Geschwindigkeitsbereich (ab etwa 30-50 km/h) dominant.
  • Aerodynamische Geräusche: Bei hohen Geschwindigkeiten entstehen an den Karosserieteilen außen lärmerzeugende Luftwirbel.

Einflußfaktoren
  • Fahrbahnoberfläche (Kopfsteinpflaster, Flüsterasphalt)
  • Reifenprofil und Reifendruck
  • Fahrgeschwindigkeit (das Rollgeräusch steigt mit dem Logarithmus der Geschwindigkeit)
  • Art der Fahrzeuge (Lkw, Pkw)
  • Menge der Fahrzeuge (Verkehrsstärke)
  • Alter der Fahrzeuge (bestimmt Motorlautstärke)
  • Radlast
  • Karosserieform (Aerodynamik)
  • Fahrstil
  • Schallreflektierende Straßenrandbebauung (akustischer Trog, stehende Wellen, Vegetation)
  • Bodenaufbau (Bodenschwingungen, Körperschallleitung in die Gebäude)

Straßenlärmbekämpfung
Die klassische Maßnahme zur Straßenlärmbekämpfung ist die Errichtung von Lärmschutzwänden und der Einbau von Schallschutzfenstern. Diese wirken vor allem dadurch, daß sie den direkten Schallausbreitungsweg zum Empfänger unterbrechen, wodurch der kürzeste Schallweg über die Oberkante führt. Eine echte Schattenbildung wie bei Licht kann nur bei hohen Frequenzen erreicht werden, die Wellenlängen liegen bei niedrigen Frequenzen in der Größenordnung der Wandhöhe, wodurch Beugungseffekte auftreten. Direkt hinter einer hohen Lärmschutzwand ist der Straßenlärm nicht nur leiser, sondern auch deutlich tiefer. Aus demselben Grund ist die Errichtung von kurzen Lärmschutzwänden (z.B. nur direkt vor einem Haus) sinnlos, da die Beugung den Effekt zunichte macht. Lärmschutzwände mit absorbierenden Oberflächen verhindern zusätzlich die Schallreflexion auf die andere Straßenseite. Ein Problem von Lärmschutzwänden ist, dass die zusätzliche Schutzwirkung mit jedem Meter Höhe abnimmt und daß sie meist als störend und sichtbehindernd empfunden werden.

Weitere Möglichkeiten der Lärmbekämpfung liegen im Einsatz gekapselter, leiserer Motoren, aerodynamischer Fahrzeuge und vor allem aufeinander abgestimmter Reifen-Fahrbahn-Kombinationen. Auch die Dämmung schallabstrahlender Karosserieteile führt zu verminderten Emissionen. Spezielle schallabsorbierende Fahrbahnbeläge und lärmarme Reifen dürften in der Zukunft an Bedeutung gewinnen, da sie schon die Lärmentstehung verhindern.

Eine andere Möglichkeit besteht in der Reduzierung der Verkehrsstärke. Eine Halbierung der Verkehrsmenge führt dabei zu einer Reduzierung des Schalldruckpegels um 3 dB(A). Diese Reduzierung liegt gerade im Bereich der Wahrnehmungsschwelle des menschlichen Ohrs. Erst eine Reduzierung der Verkehrsmenge auf ein Zehntel führt zu einem Rückgang des Schalldruckpegels um 10 dB(A) und damit zu einer empfundenen Halbierung der Lautheit.