Motivation
Die Aufgaben des Mathematikunterrichts, bzw. allgemein der Schule,
können in folgende Bereiche unterteilt werden:
Lebensvorbereitung
Schüler sollen mehr Aufmerksamkeit für elementare Anwendungen der
Mathematik erlangen und auch die so genannte "weichere Mathematik" im
Alltag kennen lernen (zum Beispiel Abschätzungen, Umgang mit
Größenordnungen, Interpretation von Tabellen und Diagrammen).
Diese Aufgabe erhält weitgehend öffentliche Zustimmung, da sie Schüler
auf absehbare Lebenssituationen vorbereitet.
Stiftung kultureller Kohärenz
Es soll eine Verständigung zwischen Generationen möglich bleiben. So
möchten Eltern die Mathematik der ersten Schuljahre verstehen und
ihren Kindern helfen können. Die von vielen als überstürzt erlebte
Einführung der Mengenlehre in den 70er Jahren in der
Grundschule kann in dieser Hinsicht als unglücklich angesehen
werden.
Zudem sollen sich die Jugendlichen als Teil einer gewachsenen Kultur
begreifen. Bezogen auf den Mathematikunterricht bedeutet dies, die
Universalität der Mathematik, also die zentralen Ideen der Mathematik
zu erfahren. (Idee der Zahl, Idee des Messens, Idee des räumlichen
Strukturierens, Idee des funktionalen Zusammenhangs, Idee des
Algorithmus, Idee des mathematischen Modellierens).
Weltorientierung
Die Weltorientierung entspricht der landläufigen Vorstellung des
Charakters der Bildung. Schüler sollen einen Überblick erlangen und
über die Welt Bescheid wissen. Dazu gehört die Einsicht, dass unsere
Sicht der Welt ohne die Mathematik nicht möglich wäre, auch wenn wir
die Mathematik in der Regel im Alltag nicht (mehr) sehen und unser
Wissen auch nach Ablösen von der Mathematik noch tragfähig ist.
Anleiten zum kritischen Vernunftsgebrauch
Der Umgang mit vernünftigem Argumentieren, Begründen und Anzweifeln
soll erfahrbar gemacht werden. Mathematik führt dabei nicht von selbst
zu einer Verbesserung der allgemeinen Denkfähigkeit. Aber mithilfe
geeigneter mathematische Inhalte ist eine Förderung der allgemeinen
Denkfähigkeit möglich. Solche Inhalte sollten möglichst lebensnützlich
sein und/oder exemplarisch für Mathematik als kulturelle
Errungenschaft sein und/oder möglichst viel Gelegenheit zur
Modellierung und Variation geben. Für den Unterricht kann dies
Lebendigkeit bedeuten in Form von kooperativer Arbeit, praktischer
Arbeit, spielerischem Problemlösen.
Entfaltung von Verantwortungsbereitschaft
Verantwortliches Leben bedeutet Verantwortung für sich und andere zu
bedenken und zu zeigen. Aus dem Alltag ist erfahrbar, dass Unwahrheit
viel kaputt machen kann. Eine offiziell vertretende Moral
unterscheidet sich oft stark vom tatsächlichen Verhalten. Dies
bedeutet für die Jugendlichen, sich ihrer Kompetenzen bewusst zu
werden und auszunutzen.
Einübung von Verständigung und Kooperation
Verständigung und Kooperation sind unverzichtbar. Verständigung
bedeutet dabei interaktives Verhalten und das Gewinnen von Einsicht in
fremde Standpunkte. Kooperation ist die Arbeit auf ein gemeinsames
Ziel hin. Beides kann zum Beispiel durch entsprechende
projektorientierte Einheiten im Unterricht oder durch gut organisierten Schüleraustausch gelingen.
Stärkung des Schüler-Ichs
Auch (oder gerade) im Mathematikunterricht soll das Selbstbewusstsein
der Schüler gestärkt und eine personale Identität entwickelt
werden. Dies ist unter anderem durch Gewährung von Freiräumen
persönlicher Entfaltung und gegenseitigem Respekt zu erreichen. Dazu
zählt zum Beispiel die Unterrichtskultur, unfertige Gedanken
auszusprechen, Fragen stellen zu dürfen, auf unterschiedlichen Niveaus
zu reflektieren. Durch den häufigen Einsatz offener Aufgaben kann
individuellen unterschiedlichen Lösungsansätzen begegnet werden.