Einführung
Hagelkörner, auch Schlossen genannt, entstehen in den niedrigeren Schichten von Gewitterwolken als kleine Wassertröpfchen, die durch starke Aufwinde in die höheren, kalten Bereiche der Wolke gewirbelt werden und dort gefrieren. Danach fällt er wieder in tiefere Luftschichten, nimmt weiteres Wasser auf, wird abermals nach oben gerissen und das zusätzliche Wasser gefriert an. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis das Hagelkorn zu schwer ist, um von den Aufwinden getragen zu werden. Aus der Größe der Hagelkörner kann daher auf die Windstärke im Inneren der Gewitterwolke geschlossen werden. Die stufenweise Entstehung der Hagelkörner kann an den einzelnen Eisschichten, aus denen ein Hagelkorn besteht, abgelesen werden.
Hagelkörner haben meistens eine Größe ab 0,6 bis 2 Zentimetern, können aber in Einzelfällen auch eine Größe von mehr als 10 cm und ein Gewicht von über einem Kilogramm erreichen. Solch große Hagelkörner erreichen beim Fall Geschwindigkeiten von über 150 km/h. Bei einer Größe von bis 0,5 Zentimetern spricht man von Graupel.
Um den teilweisen schweren wirtschaftlichen Schäden von Hagel entgegen zu wirken, wird versucht, den Hagel zu bekämpfen. Die momentan gebräuchlichste Methode ist das Einbringen von Silberiodid mit Flugzeugen in hagelträchtigen Wolken. Silberiodid ist bis -5,2 °C eiskeimbildend und gilt als umweltverträglich.
Die Effektivität der Hagelbekämpfung mit Silberiodid ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt. Da die Vorgänge in einer Gewitterzelle sehr komplex sind, ist der Nachweis, ob z.B. auch ohne das Impfen kein Hagel gefallen wäre, nur sehr schwer zu erbringen.
Das Wort Hagel könnte sich vom althochdeutschen hag (verletzen, zerstören) ableiten und damit auf die Gefahren hinweisen, die vom Hagel drohen.
Hagelabwehr
Im gesamten 19. Jahrhundert blieb das "Wetterläuten" die einzige, wenig wirksame Waffe im Kampf gegen drohende Gewitterstürme. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde es teilweise durch Böllerschießen abgelöst. Erfolgsversprechend war erst die Entdeckung, dass Silberjodid (AgJ) bereits bei minus 5,2 Grad Celsius eiskeimbildend ist. Ab Mitte der 50 Jahre des vorigen Jahrhunderts begann man Silberjodid mit Raketen in Gewitterwolken zu schießen. Heute erledigen die Hagelabwehrpiloten mit ihren Flugzeugen diese Aufgabe. Die an den Flugzeugen montierten Generatoren dienen zum Versprühen der Silberjodid-Aceton Lösung an der Wolkenbasis, der Aufwind reißt die AgJ-Kristalle in die Gewitterwolke. Die Anzahl der natürlich vorkommenden Kondensationskerne wird dadurch künstlich erhöht, wodurch sich das überschüssige Feuchte-Anbot feiner verteilt und die Ausbildung extrem großer Hagelkörner unterbunden wird. Außerdem wird die Chance größer, dass die Hagelkörner während des Ausregnens der Gewitterwolke schmelzen und nur mehr als schwere Tropfen auf dem Boden auftreffen. Neuerdings werden in der Landwirtschaft Hagelnetze verwendet, welche jedoch aus ästhetischen Gründen umstritten sind und auch die langzeitige Auswirkung (verminderte Sonneneinstrahlung, Aussprerren der Vögel - Insekten, Mikroklima, Luftfeuchtigkeit usw.) ist noch nicht absehbar. Hagelschutznetze bilden jedoch den einzigen sicheren Schutz gegen Hagelschäden.