Um es mit einem Vergleich zu sagen: eine Laufzeitumgebung ist für ein Computerprogramm die Umwelt innerhalb derer es arbeitet. Ohne diese Laufzeitumgebung funktioniert es nicht.

Computerprogramme und deren Umwelt sind aus Gründen der Zweckmässigkeit praktisch immer in Bausteine (Module) unterteilt. Im Allgemeinen bilden nur mehrere solcher Bausteine zusammen ein sinnvolles Programm. Ein wichtiger Grund für die Benutzung von Bausteinen ist die Möglichkeit der Wiederverwendung.

Unter Laufzeitumgebung (runtime environment) versteht man nun diejenigen Bausteine von Computerprogrammen, die ganz speziell für eine Wiederverwendung erstellt wurden und die oft zu einem Betriebssystem oder einer Programmiersprache gehören. Eine solche Laufzeitumgebung ist meist sehr umfangreich und umfasst möglichst viele Grundfunktionen. Diese Funktionen sind meist sehr allgemein gehalten und sollen zur Lösung unterschiedlichster (Hilfs-)Aufgaben einsetzbar sein. Diese können sein: Lesen und Schreiben von Dateien, Daten über Netzwerke transportieren, Ein- und Ausgabegeräte steuern, Daten Verwalten, Sortieren oder Suchen und vieles mehr.

Wer ein Computerprogramm anwendet möchte eine mehr oder weniger komplexe Aufgabe durch den Computer erledigen lassen. Aber fast nie ist diese Aufgabe so einfach, daß sie von der Laufzeitumgebung selber erledigt werden könnte. Die zum Anwenden vorgesehenen Bausteine werden oft begrifflich von der Laufzeitumgebung getrennt indem man sie Anwendungsprogramm oder kurz Anwendung nennt. Solche Programme, die selbst aus mehreren Bausteinen (Modulen) zusammengesetzt sein können, bedürfen fast immer einer Laufzeitumgebung: Alles was zur Lösung der Aufgabe schon in der Laufzeitumgebung vorhanden ist, braucht nicht mehr Teil der Anwendung zu sein und spart damit Aufwendungen. Typische Anwendungsprogramme erreichen selber selten auch nur ein zehntel des Umfanges ihrer Laufzeitumgebung.

Das klassische Beispiel eines Moduls einer Laufzeitumgebung ist die Laufzeit-Bibliothek der Programmiersprache C. Im Microsoft Windows-Betriebssystem sind solche Bibliotheken meist an der Dateiendung .dll zu erkennen. Unter Unix und Linux ist die entsprechende Dateiendung meist .so.

In manchen Fällen ist die Laufzeitumgebung eine virtuelle Maschine. Bekannteste Beispiele hierfür sind die plattformunabhängige Programmiersprache Java und Microsofts .NET Plattform.