Axiom (v. griech.:
tà to~n progónon axiómata = als wahr
angenommener Grundsatz) nennt man eine Aussage, die grundlegend ist und
deshalb nicht innerhalb ihres Systems begründet werden kann bzw. muss.
Sie dient als Grundlage für eine
deduktive Theorie (vgl. auch
Prinzip) und kann deshalb nicht selber durch diese Theorie begründet
werden. Wenn eine Theorie aus begründeten Sätzen bestehen soll, so muss
es notwendigerweise solche Axiome geben, denn sonst würde die
Argumentation nie enden: Jeder Satz, den ich zur Begründung anführte,
bedürfte wieder einer Begründung usw. Daher ist ein Axiom etwas ganz
anderes als eine Vermutung.
Ausnahme: der Logizismus, vertreten von Gottlob Frege, der
zumindest die elementare Arithmetik rein logisch zu begründen suchte.
(Aber dann stellt sich - nicht für ihn, aber für uns - die Frage nach
der Begründung der Logik).
Mehrere Axiome können zu einem Axiomensystem gehören, wenn sie in
keinem Widerspruch zueinander stehen. So definieren z.B. die
Körperaxiome in Verbindung mit den Anordnungsaxiomen und dem
Vollständigkeitsaxiom die reellen Zahlen: Alle wahren Aussagen über
reelle Zahlen lassen sich aus diesen Axiomen ableiten.
Wenn eine deduktive Theorie irgendeinen Anspruch auf
Gültigkeit haben soll, so müssen ihre Axiome wohlbegründet sein (nur
eben nicht mit den Mitteln dieser Theorie). Sie müssen
"selbstverständlich" und "offenbar" sein. Mit Gödel u.a.: Axiomata in
einer logischen Sprache können nur außerhalb ihrer selbst, in einer
"Metasprache" begründet werden. Die Axiome dieser Sprache also nur in
einer "Meta-meta-Sprache", und so fort. Die allerletzte Sprache (das
'allererste Kettenglied') ist auch für Logiker dann die sog.
Umgangssprache.
Beispiele:
- Parallelenaxiom: "Zu jeder/m Geraden / Punkt, der nicht auf
dieser Geraden liegt, gibt es genau eine Parallele durch diesen Punkt."
Dieses Axiom der euklidischen Geometrie war immer als weniger klar und
einleuchtend erschienen als die anderen und es gab viele Versuche, es
aus den anderen abzuleiten. Schließlich wurden um die Wende zum 19.
Jahrhundert nichteuklidische Geometrien konzipiert, die bewiesen, dass
es logisch unabhängig ist.
- "Zu jedem Prädikat P gibt es die Menge aller Dinge,
die dieses Prädikat erfüllen." Dies ist das ursprüngliche
Komprehensionsaxiom der Mengenlehre Georg Cantors, das so klar und
einfach, so selbstverständlich ist, dass es einen großen Schock
bedeutete, als sich herausstellte, dass es nicht widerspruchsfrei zu den anderen Axiomen hinzugefügt werden konnte.
- "Jede natürliche Zahl n hat einen Nachfolger n
+ 1" ist ein offenbar nicht umstrittenes Axiom(enschema) der
Arithmetik. Es ist plausibel, weil es die Zählbewegung simuliert (man
kann es mit Streichhölzern schreiben), deren protomathematische Evidenz
klar ist.
- "Der Raum ist homogen", d.h. es darf keine Rolle spielen, an
welcher willkürlich gewählten Stelle im Raum ein Vorgang stattfindet,
solange nur alle anderen Rahmenbedingungen gleich sind. Sollte dieses
Axiom nicht erfüllt sein, gäbe es auf irgendeine Weise ausgezeichnete
Stellen im Raum, deren Eigenschaften und Herkunft nur noch im Rahmen
einer Religion erklärbar sind (tatsächlich definieren fast alle
Religionen so etwas wie ein Jenseits, also einen Ort im Raum, an dem
die sonst üblichen Gesetzmäßigkeiten nicht mehr gültig sind). In der
klassischen Physik folgt direkt aus diesem Axiom die Erhaltung des
Impulses.
- "Wahr ist Falsch", ein Axiom muss keine Konsequenz einer
übergeordneten Schlussfolgerungskette sein. Aus einer Theorie, die ein
solches Axiom enthält, lassen sich aber beliebige Schlussfolgerungen
ziehen.
- Ein Axiom einer Religion oder Weltanschauung wird Dogma oder Paradigma genannt.